News und Termine

 

Strafgefangenlager Rollwald (Rodgau)

 

Rundgang • Führung • Vortrag • Gedenkstätte Strafgefangenenlager Rollwald

Sa., 21. März 2020 in der Gemeinde Rodgau (Landkreis Offenbach)

Als Gedenkstättenfahrt bietet

WETZLAR ERINNERT e.V. im Jahr 2020 am Sa., den 21. März eine Fahrt nach Rodgau (Landkreis Offenbach) an. Ziel der Fahrt ist die Gedenkstätte »Strafgefangenenlager Rollwald« zwischen den Ortsteilen Nieder- und Oberroden. In dem 47.500 m² großen Kernbereich des Lagers waren 15 Baracken für die Häftlingsunterbringung erbaut worden. In jeder Baracke wurden 100 Männer untergebracht. Das Lager war durch einen vierfachen, drei Meter hohen Stacheldrahtzaun gesichert. Ab Kriegsbeginn 1939 befanden sich im Lager ca. 1.500 Gefangene und 200 Mann Wachpersonal. Die Inhaftierten stammten aus allen Teilen Deutschlands und der von Deutschland besetzten Gebiete.

 

Die Fahrt beinhaltet

eine Führung über das als Gedenkstätte hergerichtete Gelände des ehemaligen Lagerfriedhofes sowie ein Gespräch mit Vertreter/-innen des Vereins munaVeRo (Verein für multinationale Verständigung Rodgau e.V.) über ihre Initiativen zur Recherche über das Lager und der Schaffung der Gedenkstätte. Nachfolgend finden Sie Informationen zur Fahrt, Teilnahmemöglichkeiten und dem geplanten Programm. Gewünschtes anklicken.

 

Änderungen in der konkreten Programmplanung behalten wir uns noch bis Ende der vierten Januar-Woche vor!

 

Anmeldung:
Die Anmeldung ist obligatorisch und bitte bis spätestens Mi., den 18.03.2020, 18:00 Uhr vorzunehmen. Hierzu haben Sie die Möglichkeiten:

Die Fahrt ist auf max. 20 teilnehmende Personen limitiert.

Wir fahren gemeinsam mit dem ÖPNV zur S-Bahn-Station Rodgau-Rollwald:
Wir fahren mit dem ÖPNV mit RMV-Gruppentickets, die der Verein zur Verfügung stellt.

Teilnahmepreis:
Da die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung diese Gedenkstättenfahrt bezuschusst, beträgt der Teilnahmepreis

  • 7,-- € für Vereinsmitglieder
  • 10,-- € für sonstige Teilnehmer/-innen 

Wir bitten das Geld abgezählt mitzubringen, danke!

→ Weitere Einzelheiten können Sie unserem Flyer entnehmen (fehlt noch)

 
 
  • TREFFPUNKT 9:45 Uhr
    Bahnhof Wetzlar – Bahnhofsvorplatz

    Willy-Brand-Platz | D 35576 Wetzlar
    Entrichtung des Teilnahmebeitrags
  • ANREISE 9:00 Uhr
    Abfahrt in Wetzlar
    mit der Regionalbahn RB 40, DB –› Frankfurt Hbf, ab dort S-Bahn Linie 1
    • ab Wetzlar, 9:02 Uhr, Gleis 5
    • Umstieg in Frankfurt HbF Tief, 10:19, Gleis 102 Tief S 1 –› Rödermark
    • an S-Bhf Rodgau-Rollwald 10:59 Uhr, 
    • Fußweg zum Gallus-Theater, ca. 300 m
  • ANKUNFT 11:10 Uhr
    Gedenkstätte Rollwald


    Begrüßung durch Dr. Rudolf Ostermann (AG Lager Rollwald im munaVeRo)

 
 
  • FÜHRUNG ab 11:15 Uhr
    in der Gedenkstätte und Selbsterkundung der Tafeln
    Erläuterungen von Dr. Rudolf Ostermann
  • MITTAGSPAUSE 12:30 Uhr 
    (Einzelheiten werden noch bekannt gegeben)
    PRÄSENTATION und DISKUSSION, 13:30 Uhr 
    Erinnerungs- und Gedenkarbeit von munaVeRo zum Lager Rollwald    

    Mit Vertreter/-innen des Vereins
    • Referat
    • Rückfragen und Meinugnsaustausch
  • AUFBRUCH zur Rückfahrt nach Wetzlar 15:15 Uhr
    Abfahrt an der S-Bahn-Station Rollwald

    mit der S-Bahn S 1, –› WI, bis Frankfurt Hbf, ab dort RE 99 –› Siegen
    • ab Rollwald, 15:31 Uhr, Gleis 2
    • Umstieg in Frankfurt HbF (9 Min.) Gleis 15, RE 99 –› Siegen 16:20
    • an Wetzlar Bahnhof. Gleis 7 um 17:17 Uhr 
    • Verabschiedung am Bahnhof Wetzlar
 
 
 
 

Das »Lager Rollwald« war das größte von drei Stammlagern der »Gefangenenlager Rodgau«, die zentral von Dieburg aus verwaltet wurden. Es wurde nicht von der SS geführt, sondern war eine Strafvollzugseinrichtung der Justiz, in der rechtskräftig von einem Gericht verurteilte Strafgefangene einsaßen. Darin waren Kleinkriminelle und Gewaltverbrecher inhaftiert, ebenso aber auch politische Gegner des NS-Staates, Nichtsesshafte, Bettler, Homosexuelle und Menschen, die aus religiöser Überzeugung den Kriegsdienst verweigerten. Bis zu 1/3 der Gefangenen waren nach heutigem Recht keine Straftäter. Während des Krieges saßen hier auch Tausende von Ausländern aus ganz Europa ein, die gegen die deutsche Besatzungsmacht in ihren Heimatländern gekämpft oder gegen deren Verordnungen verstoßen hatten.

Die Gefangenen wurden zur Zwangsarbeit für Rodungs- und Erschließungsarbeiten, Entwässerung der Sumpflandschaft, Bachregulierung und viele weitere Tätigkeiten eingesetzt. Mit Kriegsbeginn wurden sie jedoch von diesen Arbeiten abgezogen und überwiegend mit Aufträgen für die Wehrmacht, in der Rüstungsproduktion, im Munitionslager Münster/Hessen, als Hilfskräfte in der Landwirtschaft und zum Beseitigen von Kriegsschäden (Reparaturarbeiten für die Reichsbahn, Bombenräumen) eingesetzt.

Die Arbeit im Lager und bei den Außenarbeiten war hart und die Bekleidung sowie Schuhwerk der Gefangenen unzureichend. Die Essensrationen reichten nicht aus und die ärztliche Versorgung bei Krankheiten oder Unfällen war ungenügend. Zudem kamen in den letzten Kriegsjahren Häftlinge bereits unterernährt und geschwächt oder krank im Lager an.Mehr als 200 Menschen starben im Lager Rollwald.

Anfang 1944 wurde wegen der stark ansteigenden Zahl von Todesfällen in Rollwald ein eigener Lagerfriedhof eingerichtet. Die Gräber auf dem Lagerfriedhof wurden nach Ablauf der gesetzlichen Ruhefrist 1965 eingeebnet. Seit 1983 erinnert ein dort aufgestellter Gedenkstein an die Opfer.

 
 

Am 26. März 1945 nahmen amerikanische Truppen das Lager Rollwald ein. Es wurde zunächst zur Festsetzung ehemaliger SS-Angehöriger genutzt und später als Kriegsgefangenenlager. Bis 1949 hatte das US-amerikanische »Prisoner of War Information Bureau« hier seinen Sitz.

Auf dem Lagergelände und im Umfeld entstand nach 1945 die heutige Siedlung Rollwald.

 

Heutige Gedenkstätte auf dem Gelände des ehem. Lagerfriedhofes

 
 
 
 

Noch nicht alle KZ-Opfer anerkannt

Von Prof. Frank Nonnenmacher
Als ich meinen Onkel Ernst in den 70er Jahren fragte, warum er sich denn nicht bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes engagiere, er habe schließlich im KZ gesessen, antwortete er mir: »Völlig unmöglich. Ich war ja nicht als Politischer, sondern als Berufsverbrecher im KZ, nach landläufiger Auffassung also zu Recht. Die würden mich doch davonjagen, wenn ich käme und sagen würde: ›Ich war doch auch ein Opfer der Nazis‹.«

In der vergangenen Woche lagen bei der öffentlichen Anhörung vier Anträge auf den Tischen der Abgeordneten. Sie alle hatten zum Ziel, nach fast 75-jährigem Schweigen endlich die Menschen, die mit dem grünen Stoffdreieck (dem »Winkel«) auf der linken Brustseite in den KZs als »Berufsverbrecher« stigmatisiert wurden, offiziell als Opfer des Nationalsozialismus anzuerkennen. Ebenso jene Häftlingsgruppe, die die Nazis »Asoziale« nannten, und die mit einem schwarzen Winkel gekennzeichnet waren.

Wohnungslose, Alkoholkranke, fahrende Musikanten, Bettelnde, Wanderarbeiter und andere Unangepasste wurden summarisch als »Asoziale« bezeichnet, in von der Polizei organisierten Razzien aufgespürt und ohne Verfahren in KZ gesperrt, dort gedemütigt und oft ermordet.

Kleinkriminelle, die wegen Diebstahls, Hehlerei oder (damals strafbarer) Bettelei verurteilt worden waren, wurden nach der vollständigen Verbüßung ihrer letzten Strafhaft ohne jedes weitere Verfahren von der Kriminalpolizei direkt in die KZs überführt. Durch ihre Taten hätten sie bewiesen, dass sie kriminelle Gene in sich trügen, die sie zu »Gewohnheits-« oder »Berufsverbrechern« mache; deshalb seien sie aus der Gesellschaft zu entfernen und in den KZs »durch Arbeit zu vernichten«.

Bis heute sind sie als Opfer nicht anerkannt. Jahrzehntelang setzte sich niemand für sie ein, die Forschung nahm sie kaum zur Kenntnis, und auch die Betroffenen selbst meldeten sich nicht öffentlich zu Wort. Im Bewusstsein der auch nach 1945 anhaltenden Stigmatisierung bildeten sie keine Interessengemeinschaft, veröffentlichten keine Erinnerungen, sondern sie schwiegen, oft auch in den Familien, meist aus Scham.

Im Dezember 2016 veröffentlichte dann die Stiftung »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« einen Aufruf, in dem es unmissverständlich hieß: »Alle Konzentrationslagerhäftlinge waren Opfer des Unrechtssystems. Anders formuliert: Niemand saß ›zu Recht‹ im KZ, auch Menschen mit dem schwarzen und dem grünen Winkel nicht.« In der Öffentlichkeit wurde der Aufruf wenig beachtet. Immerhin gab es im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD im März 2018 den Passus: »Bisher weniger beachtete Opfergruppen des Nationalsozialismus wollen wir anerkennen und ihre Geschichte aufarbeiten.«

Im April 2018 habe ich mit einigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen »Appell« an den Bundestag gestartet, der einen formellen Beschluss fordert, diese bis heute ignorierte Gruppen von KZ-Häftlingen als Opfer des NS-Systems anzuerkennen. 125 namhafte Erstunterzeichnende haben den Appell unterschrieben, darunter auch Bundestagsabgeordnete wie Nicola Beer (FDP), Ulli Nissen (SPD), Tabea Rössner (B90/Grüne), Peter Tauber (CDU), Bettina Wiesmann (CDU), Matthias Zimmer (CDU). Den Appell auf »change.org/vergessene-opfer« unterstützen bisher knapp 22.000 Menschen.

 
 

2019 bewegte sich endlich etwas: Die Fraktion Bündnis90/Grüne legte im Februar einen Antrag vor mit dem Ziel, der Bundestag solle die öffentliche Anerkennung dieser Opfergruppe beschließen. Die FDP-Fraktion folgte im April und beide Anträge wurden im Plenum des Bundestages diskutiert und an den Kulturausschuss überwiesen. Danach legte auch die Fraktion der Linken einen eigenen ausführlichen Antrag vor, der ebenfalls die Anerkennung fordert. Hatten sich die CDU/CSU-Vertreter im kulturpolitischen Ausschuss noch zurückhaltend bis skeptisch gezeigt, überraschten sie Ende Oktober mit einem gemeinsamen Antrag von CDU/CSU und SPD.

Vergangene Woche tagte der Bundestagsausschuss für Kultur und Medien öffentlich zu diesem Thema. Einhellig wurde von den Experten wie auch von den Abgeordneten der demokratischen Parteien die endlich notwendige Anerkennung der bislang ignorierten KZ-Opfer befürwortet wie auch die Vorschläge, das Thema durch eine abrufbare Ausstellung, durch Forschungsfinanzierung und Projekte der historisch-politischen Bildung ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken.

Widerspruch kam nur von einer Seite: den Abgeordneten der AfD. Gespannt sein kann man auf die Debatte zu den Anträgen, die demnächst im Plenum des Bundestages stattfinden wird.

Frank Nonnenmacher ist emeritierter Professor für politische Bildung und Initiator des Appelles zur Anerkennung ignorierter KZ-Opfer

—› www.change.org/vergessene-opfer

Quelle des Aufsatzes: Frankfurter Rundschau vom 11.11.2019

 
Kennzeichen des NS-Staates für KZ Gefangene
 
 
 
 
Vereinslogo muarvero
 
 

MunaVeRo ist ein kleiner Verein, aber durch die vielfältigen Aufgaben. Seit mehr als 20 Jahre Vereinsgeschichte zugefallen richten dessen Akteure an sich selbst hohe Ansprüche und Erwartungen. Durch seine gute Arbeit hat er sich über Rodgau hinaus einen Ruf erworben, der Ansporn und Verpflichtung wurde. Dazu gehört die Mitwirkung und Zusammenarbeit in verschiedenen Gremien, Projekten und Initiativen im Kreis Offenbach.

Als »AG Lager Rollwald« kümmert sich eine Gruppe des Vereins u.a. um die Organisation der jährlichen Gedenkfeiern, um Ausstellungen und weitere Veranstaltungen, die dazu dienen, die Erinnerung an das Lager Rollwald und die Verbrechen der NS-Zeit wach zu halten. 2014 konnte der Verein auf dem Gelände der Gedenkstätte dreisprachige Geschichtstafeln zum Lager aufstellen (in deutscher, englischer und französischer Sprache).

Im Oktober 2019 wurde munaVeRo für seine langjährige Arbeit »für die Verständigung, gegen Vorurteile und Rassismus und als Brückenbauer zwischen den Kulturen« mit dem Integrationspreis 2019 der kreiseigenen Stiftung »miteinander leben« ausgezeichnet.

 
 
 
 

Anmeldung für eine Gedenkstättenfahrt

Anmeldung für eine Gedenkstättenfahrt
Ich habe / Wir haben Interesse an der Teilnahme einer Gedenkstättenfahrt und bitte um Mitteilung darüber, ob mir hierfür ein Platz reserviert werden konnte. / die entsprechenden Plätze reserviert werden konnten: