Ausstellung zu Frauen im Widerstand 1933 - 1945

 
 

Eine Ausstellung des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933 - 1945

Die Ausstellung »Nichts war vergeblich« würdigt den Mut von Frauen, die sich gegen den Terror des NS-Systems stellten. 18 Biographien stellen dar, auf welch' vielfältige Weise die Frauen dem Regime die Gefolgschaft verweigerten. Sie verfassten und verteilten Flugblätter, boten Verfolgten Unterschlupf, klärten im Ausland über das Unrecht in Deutschland auf. Sie ihrem Gewissen – und setzten damit ihr Leben auf's Spiel. Der Anteil dieser Frauen im Kampf gegen den NS-Staat ist in der Öffentlichkeit noch immer wenig bekannt.

 

Vom 15. Januar bis

bis 4. Februar ist diese Ausstellung im Foyer des neuen Rathauses in Wetzlar zu sehen. Der Eintritt ist frei. Der Ausstellungskatalog kann bei der Buchhandlung »Alte Lahnbrücke« für 7 Euro erworben werden. Führungen werden über das historische Archiv der Stadt Wetzlar angeboten. Einzelheiten finden sie nachfolgend, geünschtes per Mausklick aufklappen.

 

Vom 15. Januar bis 4. Februar 2019

jeweils an den Werktagen zu den Öffnungszeiten des neuen Rathauses. Diese sind:

  • montags:7:30 Uhr bis 18:00 Uhr
  • dienstags:7:30 Uhr bis 18:00 Uhr
  • mittwochs:7:30 Uhr bis 16:00 Uhr
  • donnerstags:7.30 Uhr bis 18:00 Uhr
  • freitags:7:30 Uhr bis 18:00 Uhr
 
 

Führungen können für Gruppen angeboten werden

Hierzu bitte Kontakt mit dem historischen Archiv der Stadt Wetzlar aufnehmen und einen Termin vereinbaren:

  • Historisches Archiv der Stadt Wetzlar
    Hauser Gasse 17
    D 35578 Wetzlar
    Telefon: +49 6441 99-1080
    Telefon: +49 6441 99-1081
    Telefax: +49 6441 99-1084
    E–Mail: archiv@wetzlar.de

 
 

Bericht von der Eröffnung am Mo., 14.01.2019

Von Klaus Petri

»Frauen im Widerstand gegen den NS«

Die verstörenden Bilder von Frauen, die dem im offenen Auto vorbeifahrenden »Führer« mit Freudentränen und schmachtenden Blicken begegnen, sind allseits bekannt. Die meisten Frauen im »Dritten Reich« dürften unpolitisch gewesen sein. Eine dritte Kategorie sind »widerständige Frauen«, die den Machthabern auf unterschiedliche Weise die Stirn boten und deren persönliche Lebensentwürfe nicht zu »Mutterglück allein« und »Heimchen am Herd« passten.

18 derartige Kurzbiografien werden vom 15.01. bis 4.02. im Neuen Rathaus im Rahmen der Ausstellung »Nichts war vergeblich – Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« vorgestellt. Oberbürgermeister Wagner (SPD) sprach in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung von »Verneigung vor denen, die damals für ein besseres Deutschland eingetreten sind“« und zitierte den 2016 verstorbenen Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel: »Man muss Partei ergreifen. Neutralität hilft den Unterdrückern. Stillhalten ermutigt die Peiniger«.

Das Einführungsreferat hielt Ausstellungsmacherin Gudrun Schmidt, die 1969 am Wetzlarer Hessenkolleg ihr Abitur abgelegt hat und in Frankfurt für den 1967 gegründeten »Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945« tätig ist.

»Wir schätzen den Anteil von Frauen am Widerstand gegen die Nazis auf etwa 20 Prozent. Viele davon gehörten Organisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung an, andere handelten aus christlicher Motivation heraus oder folgten schlicht Geboten der Menschlichkeit«, verdeutlichte die Referentin. Ein prominentes Beispiel ist Erika Mann, Tochter des 1933 mit seiner Familie ins Exil gegangenen Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann.

Die aus Hanau stammende Lehrerin Dr. Elisabeth Schmitz hatte 1935 vergeblich versucht, die Evangelische Kirche mit einer Denkschrift »Zur Lage der deutschen Nichtarier« zum Handeln zu bewegen. Die 1925 in Ulfa (Wetterau) geborene Anna Mettbach musste ihre Jugendjahre im »Zigeunerlager Auschwitz« und im Frauen-KZ Ravensbrück verbringen, überlebte den Rassenwahn ihrer Peiniger und vergrub Jahrzehnte lang ihre Traumata. Unter dem Eindruck brennender Asylbewerberheime in den 90er Jahren machte sie ihre Lebensgeschichte öffentlich. Sie verstarb 2015 in Gießen.

In der badischen Kleinstadt Calw hatte die 17-jährige Erna Brehme 1941 ein Liebesverhältnis zu einem jungen Polen. Unter dem Gejohle eines missgünstigen Mobs wurden ihr öffentlich die Haare geschoren. Die gebürtige Berlinerin Lisa Fittko führte Asyl-suchende Nazi-Gegner wie den Schriftsteller Walter Benjamin über die Pyrenäen nach Spanien.

Die gelernte Verkäuferin und Jungkommunistin Carola Karg ging mit 23 Jahren in den Untergrund, schlief auf Parkbänken und in Kirchen. Als ein Kurierkoffer bei einer Zugkontrolle auffiel, geriet sie in die Fänge der Gestapo, überstand 19 Monate Untersuchungshaft, 153 Verhöre und wurde wegen »Hochverrat« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Haft verfasste sie Gedichte und fertigte einen bunten Schmetterling, der zum symbolischen Blickfang der ganzen Ausstellung geworden ist.

Die Ausstellung nach Wetzlar geholt haben geschichtspolitisch engagierte Frauen um Stadtarchivarin Dr. Irene Jung und der Verein WETZLAR ERINNERT e.V. Ernst Richter sprach von einem dringend gebotenen Beitrag, um dem wieder aufflammenden völkischen Denken geschichtliche Erfahrung entgegenzustellen: »Demokratische Rechte und Freiheiten sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen auf breiter Front gesichert und verteidigt werden.«

Dafür, dass es auch in Wetzlar couragierte, humanistisch gesinnte Frauen gab, gab Irene Jung drei Beispiele: »Sie kommen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, haben verschiedene weltanschauliche Prägungen. Aber alle drei haben sich während der Naziherrschaft ein Gefühl für Mitmenschen in Not und für Gerechtigkeit bewahrt«.

Nach der 1892 als Tochter eines Maurers geborenen Lina Muders ist der vom SPD-Stadtverband Wetzlar verliehene Preis für Zivilcourage und bürgerliches Engagement benannt. Sie hatte sich für die AWO engagiert und geriet wegen Kurierdiensten und Zugehörigkeit zur Sozialistischen Arbeiterjugend in die Fänge der Nazis. »Nach dem Krieg musste sie regelrecht betteln, um eine kleine Entschädigung als Verfolgte des Naziregimes zu erhalten«, kommentierte Irene Jung bitter.

Die 1921 aus Offenbach nach Wetzlar verzogene Sozialdemokratin Johanna Knothe erzielte im Frühjahr 1933 noch ein kommunalpolitisches Mandat, musste aber gleich darauf untertauchen. In Untersuchungshaft wurde sie misshandelt. Sie sollte den Aufenthaltsort ihres Mannes Willy Knothe verraten.

Die promovierte Juristin und Wetzlarer Ehrenbürgerin Dr. Elsie Kühn-Leitz war an Fluchtplänen für die Jüdin Hedwig Palm beteiligt, wurde im September 1943 verhaftet und verbrachte mehrere Wochen Haft im Untersuchungsgefängnis Klapperfeld (Frankfurt/M.). Weil ihr vermögender Vater, der Fabrikant Ernst Leitz II,  »Tausende und Tausende Bestechungsgelder« für die Gestapo-Schergen aufbrachte, ging es für sie relativ glimpflich aus. »Die Umstände der Freilassung von Elsie Kühn-Leitz werfen einen Blick auf die Wesensart der Gegner jener Frauen, die Gegenstand dieser Ausstellung sind«, kommentierte Dr. Jung abschließend.

 
 

Bilder © Klaus Petri

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1 bis 13 von insgesamt 13

 

Den Veranstaltungskatalog können Sie erwerben bis Mitte Februar zum Stückpreis von 7,-- Euro bei dem

  • Buchladen »Alte Lahnbrücke«
    Lahnstr. 36 | D 35578 Wetzlar

    Öffnungszeiten:
    Montag – Freitag: 9:30 Uhr – 18:30 Uhr
    Samstag: 9:30 Uhr – 14:30 Uhr

    Direktkontakt:
    Telefon      06441/48101
    Email         Mail senden?
    WWW:       Internetseite des Buchladens
 
 

—› Der Flyer zum Download (PDF, DIN A 4 quer, 770 KB)

 
 

Sie können die Ausstellung selbst leihen beim

  • Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945
    Rossertstr. 9 | D 60323 Frankfurt/Main
    (Nähe Haupteingang Palmengarten. U6/U7 Station Westend)

    Tel: (069) 72 15 75
    Fax: (069) 71 03 42 54
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    —› Internetseite des Studienkreises

—› Einzelheiten und Konditionen zum Ausleih der Ausstellung finden Sie hier