Gedenktafelenthüllung am 06.12.2018
Gedenktafelenthüllung am 06.12.2018
vom 06.12.2018

»Es gilt, wachsam zu sein«

Seit dem 06.12.2018 erinnern zwei Gedenktafeln auf dem IKEA-Gelände an die Zwangsarbeit in Wetzlar und an den Buderusarbeiter Erich Deibel.

Nachdem am 02. Mai 2018 am ehemaligen Wetzlarer Gewerkschaftshaus des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) zur Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 die erste von 22 geplanten »Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit in Wetzlar« enthüllt wurde, folgten am 6. Dezember zwei weitere auf dem IKEA Gelände, Hermannsteiner Straße 13 in Niedergirmes.

Diese Tafeln dienen zur

Vor der Tafelenthüllung am Fuß- und Radweg zwischen dem Eingang in das Einrichtungshaus und der Hermannsteiner Straße ergriffen

  • Oberbürgermeister Manfred Wagner
  • Detlef Boje, Einrichtungshauschef von Ikea Wetzlar
  • Oliver Barta, Standortleiter von Bosch Thermotechnik, Wetzlar und
  • Ernst Richter, Vorsitzender von Wetzlar erinnert e.V.

das Wort. Zunächst begrüßte Ernst Richter die Anwesenden und wies darauf hin, dass das heutige Gelände von IKEA Wetzlar eine vielfältige Vergangenheit besitzt. Seit der Industrialisierung war es von den Werksanlagen der Fa. Buderus geprägt worden. »Wir erinnern uns alle gut an die Sprengung der drei 77 Meter hohen Silos des früheren Zementwerkes im Februar 2016.« Weniger bekannt sei aber, dass zwischen 1943 und 1945 auf diesem Gelände auch eines der Zwangsarbeiterlager der Buderus‘schen Eisenwerke stand. Und das Haus, in dem der Buderusarbeiter Erich Deibel mit seiner Familie wohnte, bevor er 1941 verhaftet und 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet wurde. Die beiden Tafeln werden gestiftet von

Gefördert wird das Projekt »Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit in Wetzlar« durch das Bundesprogramm »Demokratie leben.

Oberbürgermeister Manfred Wagner: Wir haben keine Schuld daran, aber eine Verpflichtung für die Zukunft:
Das forderte auch Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD). „Wir haben keine Schuld an dem, was damals passiert ist“, sagte Wagner mit Blick auf die NS-Zeit. „Aber wir müssen verhindern, dass es sich wiederholt.“ Mit Blick auf die zunehmende Verbreitung rechter Parolen stellte Wagner fest: „Der Weg ist kurz. Es gilt, wachsam zu sein.“

Detlef Boje: »Wir freuen uns, dass wir damit einen mutigen Menschen ehren dürfen«:
Der Chef des Einrichtungshauses in Wetzlar, Detlef Boje, war von der Idee des Vereins »Wetzlar erinnert«, vor seinem Haus Gedenktafeln zu installieren, sofort angetan. »Wir freuen uns, dass wir mutige Menschen ehren dürfen. Gleichzeitig mischt sich in diese Freude immer auch ein bitterer Beigeschmack angesichts der unfassbaren Gräueltaten des NS-Regimes. Umso wichtiger ist es, die stillen Helden von damals nicht zu vergessen und sich ihrer zu erinnern.«, sagte Boje bei der Enthüllung. Man wolle gern einen Beitrag leisten, eine kleine Veränderung in der Gesellschaft zu bewirken. Der Standort der Tafeln sei auch daher richtig, weil Niedergirmes ein Ort der Vielfalt sei. Bei Ikea selbst arbeiteten derzeit in Wetzlar Menschen aus 18 Nationen, ein Flüchtling absolviere eine Ausbildung. Dabei ist dem Unternehmen bei aller Unterschiedlichkeit dieser Menschen der gegenseitige Respekt sehr wichtig.

Oliver Barta: Aufforderung, persönlich laut und deutlich zu erinnern!:
Gemeinsam mit Ikea stiftet Bosch Thermotechnik die zwei Tafeln. Hintergrund: Im Lager in der Hermannsteiner Straße 13 waren Arbeiter der Buderus’schen Eisenwerke interniert – des Vorgängerunternehmens. »Die Aufarbeitung der Zwangsarbeit hat bei uns eine lange Geschichte«, erläuterte Standortleiter Oliver Barta. Im Jahr 2000 sei das Unternehmen der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« (EVZ) beigetreten. »Ich darf Sie persönlich auffordern, laut und deutlich zu erinnern!«, forderte Barta die Teilnehmerinnen udn Teilnehmer der Enthüllung auf.

Das Projekt »Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit in Wetzlar« wurde von WETZLAR ERINNERT e.V. initiiert. Die 90 x 70 cm großen Tafeln sollen auf öffentlichem bzw. öffentlich begehbarem Gelände in der Stadt Wetzlar an Ereignisse aus der Zeit des deutschen Faschismus erinnern. Zwanzig derartige Tafeln sind  bis Ende 2020 auf dem Stadtgebiet geplant.

Sie werden mit ihrer farblichen Gestaltung, ihrer Platzierung und Aufmachung als Blickfang wirken und Passanten ermöglichen, in kürzester Zeit beim Vorbeigehen das jeweilige Ereignis aus der NS-Zeit zu erfassen. Durch den QR-Code erhalten Interessierte Hintergrundinformationen.

—› Download der Einladungskarte als PDF-Datei (11 x 29,7 cm, 1,2 MB)
—› Fotostrecke von der Veranstaltung am 06.12.2018 bei IKEA

 
 

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