Ausstellungsprojekt zur Zwangsarbeit

 
 

Start-Up Workshop zur Neugestaltung einer Ausstellung »Zwangsarbeit in Wetzlar«

Am 19. Februar 2019 in der Werner-von-Siemens-Schule (14:30 – 20:00 Uhr)

Der Start-Up-Workshop

am 19.02.2019 wurde das für die kommenden zwei Schuljahre geplante Projekt zur Neugestaltung einer Ausstellung über das Ausmaß von NS-Zwangsarbeit in Weztlar gestartet. In diesem Zeitraum sollen Unterrichtsprojekte stattfinden, in denen die Ideen von 40 Jugendlichen aus dem Jahr 2017 aufgegriffen und verfeinert werden, und wie die konkrete Fertigung der Exponate aussehen könnte.

 

Hierzu eingeladen sind

Hierzu trafen sich 36 Teilnehmer*innen (Lehrkräfte der Werner-von-Siemens-Schule sowie benachbarter Schulen, sowie Vertreter*innen aus Institutionen, Forschungsstellen und der Politik). Ziel der Veranstaltung war es, erste Absprachen für das Gesamtprojekt zu vereinbaren. Einen Bericht, eine Fotostrecke sowie Einzelheiten zum Programm und eine Liste der teilgenommenen Personen finden Sie in den nachfolgenden Unterkapiteln per KLICK.

 

Von Klaus Petri

Die Erinnerung an monströses Geschehen vor Ort wachhalten, die richtigen Lehren aus Krieg und Versklavung ziehen. Das sind die Ziele einer 1986 im Auftrag der IG Metall erarbeiteten Ausstellung mit drei Dutzend Text-Bild-Tafeln zum Thema »Zwangsarbeit in Wetzlar 1939-1945«. Unter Federführung der Werner von Werner-von-Siemens-Schule und des Vereins WETZLAR ERINNERT e.V. erfährt diese Dokumentation derzeit eine Neubearbeitung, um dann dauerhaft – zunächst im »Europa-Haus« der Schule, später dann in einem städtischen Museum – in der Öffentlichkeit gezeigt werden zu können.

Im Rahmen eines Workshops »REMAKE der Ausstellung« hatten die Organisatoren viel Prominenz und Sachverstand aufgeboten. Schulleiter Michael Diehl begrüßte die zum Teil aus Berlin und Köln angereisten Gäste, markierte mit der Zahl 20 Mio. die Dimension der damals in Europa versklavten Menschen und nannte die Entwicklung von Geschichtsbewusstsein als Kernpunkt des Bildungsauftrages von Schulen. Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) zitierte in seinem Grußwort den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog: »Wer Unfreiheit und Willkür kennt, der vermag Freiheit zu schätzen.«

In Berlin Schöneweide gibt es seit 2013 ein Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit. Dessen Leiterin Dr. Christine Glauning nannte »forschendes Lernen« als zentralen didaktischen Ansatz der Einrichtung. Berliner Schülergruppen beteiligen sich an Ausgrabungen, Archiv-Arbeiten und tauschen dabei die Resultate z.B. auch mit Gleichaltrigen aus Weißrussland aus.

Mit phantasievollen Ideen hatten sich bereits 2017 Lerngruppen der Siemensschule in den Prozess der Neugestaltung eingebracht. Die Lehrkräfte Volker Griesand, Thomas Kestermann und Regina Thöle erläuterten mehrere Exponate, die zu einer altersgerechten Vermittlung von historischem Geschehen beitragen. Eine im Mathematikunterricht berechnete und gebaute Holz-Box zeigt die räumliche Enge, die den aus Osteuropa verschleppten Jugendlichen während der 3 bis 5-tägigen Eisenbahnfahrt zugemutet wurde.

 
 

Ein Säulendiagramm zu den mit Sklavenarbeit erzielten Extra-Profiten der Rüstungsfirmen wurde zu dreidimensionalen Blöcken umgearbeitet. Makaber mutet eine »professionell« gestaltete Speisekarten-Mappe an, die dann kaum mehr als »Wasser und Brot« offeriert. »Auch die Digitalisierung von Audio- und Bildmaterial sowie die sachgerechte Kommentierung von Informationen wird in einem authentischen und lehrreichen Kontext eingeübt«, erfuhren die Workshop-Teilnehmer.

Der Historiker Dr. Witich Rossmann – der gemeinsam mit Karin Bernhardt und Reinhard Jahn 1986 innerhalb von 3 Monaten die alte Ausstellung im Auftrag der IG Metall gestaltete – ließ die Entstehungsgeschichte der Ausstellung Revue passieren und verwies auf Begegnungen mit dem damals bei der Firma Pfeiffer Apparatebau beschäftigten jungen Polen Thomasz Kiryllow, dessen Lebenserinnerungen unter dem Titel »Und ihr werdet doch verlieren« auf Deutsch im Dietz-Verlag (DDR) erschienen sind. »Die Hierarchisierung von Menschen nach Herkunft, Rasse und ökonomischer Verwertbarkeit ist von den Nazis perfide und mit großem bürokratischen Aufwand betrieben worden. Leider gibt es in der Flüchtlingsdebatte einen Rückfall in diese längst überwunden geglaubten Denkmuster«, kritisierte der Gewerkschafter.

In kurzen Referaten gaben Dr. Markus Roth (Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen) und Kay-Hermann Hörster (Projektmanager »Industriekultur Mittelhessen« beim Regionalmanagement Mittelhessen) Einblicke in ihre Arbeitsgebiete und sagten den Wetzlarern Unterstützung und langfristige Kooperation zu.

In zwei Arbeitsgruppen trafen die Lehrkräfte der Werner-von-Siemens-Schule gemeinsam mit den anwesenden externen Beratern erste Absprache darüber, wie in den kommenden zwei Schuljahren mit Hilfe neugestalteter Exponate eine neu gestaltete Ausstellung und parallel hierzu weitere Forschungsprojekte zum Ausmaß der Zwangsarbeit in Wetzlar auf den Weg gebracht werden können. Die Moderation des vier-stündigen Workshops war – ebenso wie die Verköstigung der Gäste durch GWAB-Mitarbeiterinnen – »Frauensache«: Lisa Herbel (Siemensschule) und Irmi Richter (WETZLAR ERINNERT e.V.) machten das routiniert und professionell.

 
 
 
 

Bilder vom Start-Up-Workshop © Stefan Lerach, Klaus Petri und Ernst Richter

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1 bis 52 von insgesamt 52

 
  • Dieter Agel
    Werner-von-Siemens-Schule, ehem. Schulleiter
  • Susanne Baade
    Theodor-Heuss-Schule, Lehrerin für Geschichte
  • Chernov Volodymir
    Gukew e.V.
  • Chernova Zoya
    Gukew e.V.
  • Hartmut Crass
    WETZLAR ERINNERT e.V., Projekt-AG Verein– Schule 2017
  • OStD Michael Diehl,
    Werner-von-Siemens-Schule, Schulleiter
  • Dr. Anja Eichler
    Stadt Wetzlar, Museumsleitung Wetzlar
  • Antonio Fernandez
    VaAW Wetzlar-Garbenheim, Meister Holztechnik
  • Dr. Christine Glauning
    Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Berlin-Schöneweide, Leiterin
  • Volker Griesand
    Werner-von-Siemens-Schule, Fachpraxislehrer Holztechnik
  • Thomas Heller
    Werner-von-Siemens-Schule, Fachpraxislehrer Metalltechnik
  • Lisa Herbel
    Moderation,
    Lehrerin August-Bebel-Schule und Werner-von-Siemens-Schule
 
 
  • Hans-Martin Hild
    Kommunales Jugendbildungswerk (LDK), Jugendbildungsreferent
  • Kay-Hermann Hörster
    Mittelhessen e.V. Industriekultur Mittelhessen
  • Thomas Kestermann
    Werner-von-Siemens-Schule, Lehrer für das Fach Geschichte
  • Stefan Lerach
    WETZLAR ERINNERT e.V., Vorstand
  • Andrea Neischwander
    WETZLAR ERINNERT e.V., Projekt-AG Verein–Schule 2017
  • Klaus Petri
    WETZLAR ERINNERT e.V., Wetzlarer Neue Zeitung
  • Irmtrude Richter
    Moderation
    WETZLAR ERINNERT e.V., Vorstand
  • Ernst Richter
    WETZLAR ERINNERT e.V., Vorsitzender
  • Jürgen Roos
    Werner-von-Siemens-Schule, Abteilungsleiter (Koordinator Pavillon)
  • Dr. Witich Rossmann
    IG Metall und DGB-SV Köln, Ausstellungsgestalter 1986
  • Dr. Markus Roth
    UNI-Gießen, Arbeitsstelle Holocaustliteratur
  • Stefan Sachs
    IG Metall Mittelhessen, Geschäftsführer
 
 
  • Vitali Schmidt
    VaAW Wetzlar-Garbenheim, Meister Maler und Lackierer
  • Norbert Schmitt
    Schöffengrund, Gewerkschafter
  • Steffen Sellmann
    Werner-von-Siemens-Schule, Lehrer Politik und Wirtschaftskunde
  • Mirko Siewert
    Werner-von-Siemens-Schule, Lehrer Politik und Wirtschaftskunde
  • Andrea Theiß
    WETZLAR ERINNERT e.V., Projekt-AG Verein–Schule 2017
  • Regina Thöle
    Werner-von-Siemens-Schule,Lehrerin für das Fach Geschichte
  • Manfred Wagner
    Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar
  • Renate Wagner
    Vorsitzende des Seniorenrates der Stadt Wetzlar
  • Martin Weisgerber-Schaaf
    Werner-von-Siemens-Schule, Lehrer Politik und Wirtschaft & Farbkunde
  • Markus Zimmermann
    Werner-von-Siemens-Schule, Lehrer Politik und Wirtschaftskunde
 
 
 
 
  • 14:30 Uhr: Ankommen

  • 15:00 Uhr: Begrüßung
    Grußworte, Vorstellungsrunde, Absprachen zum Ablauf

  • 15:15 Uhr: Einstieg als Wissensbasis für alle Teilnehmer*innen
    Betrachtung 
    1.) der alten Ausstellungstafeln von 1986
    2.) der Werbeausstellung (Projektgruppe 2016–2017) —› Details
    3.) der Vorschläge von Schüler*innen zur Neugestaltung
    4.) des Pavillons
    in vier Gruppen (rotierend und pro Station 10 Min.)

  • 16:00 Uhr: Impulse von außen zu Themen wie
    • Erforschung des Systems der NS-Zwangsarbeit
    • Beispiele, die Mut machen
    • andere Projekte zur Dokumentation der NS-Zwangsarbeit
    • Möglichkeiten der Projektförderung
    • Mittelakquise und sonstige Förderung
    durch:
    Dr. Christine Glauning
    Leiterin der Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit der Stiftung Topgrafie des Terrors (Berlin);
    Dr. Markus Roth
    Stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der UNI-Gießen;
    Kay-Hermann Hörster
    Projektmanager LEADER-Kooperationsprojekt »Industriekultur Mittelhessen« (Regionalmanagement Mittelhessen)
    Weitere Personen
    (angefragt) —› Externer Beistand
 
 
  • 16:45 Uhr: Pause
    (Fingerfood und Getränke)

  • 17:15 Uhr: Absicht und Ziele des Projektes
    »REMAKE der Ausstellung Zwangsarbeit«

  • 17:30 Uhr: Arbeitsgruppen
    Absprachen zur Projektumsetzung:
    • Präzisierung der Projektinhalte,
    • grobe Formulierung von Arbeitsschritten und Zeitplänen,
    • Auflistung von Aufwand, Material, Machbarkeit und Kosten
    • Formulierung offener Fragen.

  • 18:30 Uhr: Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse
    mit Diskussion, Klärung offener Fragen, Verabredungen.

    Verabschiedung eines Letter of Intent

    Bildung eines Lenkungsausschusses
    für das zweijährige Projekt
    (für Organisation, Koordination, Planung und Controlling).

  • 19:30 Uhr: Ausklang
    bei Einzelgesprächen mit Fingerfood und Getränken

  • 20:00 Uhr: Veranstaltungsschluss

Die Veranstaltung wird moderiert von Lisa Herbel und Irmtrude Richter

Um vorherige Anmeldung wird gebeten bis 14.02.2019 mit Hilfe des
—› Online-Formular zur Anmeldung

 
 
 
 

Ziele des Start-Up-Workshops

  • Präsentation der alten Ausstellung
  • Absprachen zwischen Schule, Verein und der Stadt Wetzlar vermitteln
    (auch zur Fertigstellung des Schulpavillons).
  • Möglichkeiten der externen Beratung, Hilfestellung und Unterstützung aufzeigen.
  • Präsentation der Neugestaltungsideen und Diskussion hierüber.
 
 
  • Grobe Einachätzung von Machbarkeit, Material- und Zeitaufwand durch die beteiligten Lehrkräfte und Schüler*innen.
  • Formulierung von Voraussetzungen und offenen Fragen.

  • Verabschiedung eines Letters of Intent.
  • Bildung eines Lenkungskreises
 
 
 
 


 
 

Möglichkeiten der Werner-von-Siemens-Schule und Dritter im Rahmen von produktorientierten, ganzheitlichen Projekten im Rahmen der Unterrichtsgestaltung:

Je nach Lehrplänen und Unterrichtsvorgaben der Werner-von-
Siemens-Schule für Klassen der

  • Berufsgrundbildung und Berufsvorbereitung,
  • Berufsschule im Dualen System,
  • Fachoberschule,
  • Gymnasialen Oberstufe,
  • Technikerschule;

sowie der Produktgestaltung in den Berufsfeldern:

  • Maler- und Lackierer
  • Holz
 
 
  • Bau
  • Elektrotechnik
  • Informatik
  • Metall

Evtl. Kooperation mit der Willy-Brandt-Schule in Gießen für das Berufsfeld

  • Drucktechnik, Lithografie und Mediengestaltung
    (Anfrage ist erfolgt)

und in Kooperation mit Unternehmen sowie über- und außerbetrieblichen Ausbildungswerkstätten in der Region. Dabei geht es auch um die Herrichtung des Schulpavillons in einen bezugsfertigen Zustand (derzeit Rohbauzustand).

 
 
 
 

Dokumentation von Zwangsarbeit in Wetzlar seit den 1980er Jahren
1984 entdeckte die IG Metall in Wetzlar bei der Erforschung der lokalen Geschichte der Arbeiterbewegung das System der Zwangsarbeit während der NS-Zeit in der Region. 1985 wurde von ihr ein dreiköpfiges Team (Karin Bernhardt, Reinhard Jahn, Dr. Witich Rossmann) damit beauftragt, in Werks- und sonstigen Archiven und über Gespräche mit Zeitzeugen*innen das Kapitel zu erforschen mit dem Ziel, aus den gewonnenen Erkenntnissen eine Ausstellung zu erarbeiten. Hieraus entstand die Ausstellung »Ausländische Zwangsarbeiter in Wetzlar 1939 - 1945«, die zwischen dem 22. und 26.09.1986 im Stadthaus am Dom gezeigt wurde.

Diese alte Ausstellung bestand aus 29 DIN A 0 großen Tafeln und einer doppelt so großen Übersichtskarte, in der auf Grundlage eines historischen Stadtplans von 1937 die größten Zwangsarbeiterlager im Stadtgebiet mit Angaben über die Anzahl der dort lebenden Zwangsarbeiter*innen eingetragen waren.

Diese Wanderausstellung wurde bis kurz vor der Jahrtausendwende immer wieder in der Stadt und dem Altkreis Wetzlar, später auch in zentralen Bildungsstätten der IG Metall bundesweit gezeigt. Insbesondere die Gruppenbesuche von Schulklassen standen im Vordergrund. Die Ausstellung war eine Pionierleistung, denn bis in die 1980er Jahre dümpelte die bundesweite Erforschung der NS-Zwangsarbeit vor sich hin.
—› Weitere Informationen zur Entstehungsgeschichte

Später konnten die lokalen Forschungsergebnisse ergänzt werden durch das 1985 in deutscher Sprache (in der DDR erschienene Buch) »Und ihr werdet doch verlieren!« von Tomasz Kiryllow, der 1942 als 17-Jähriger aus Belorussland zur Zwangsarbeit nach Wetzlar verschleppt worden war und der auf Einladung der
IG Metall im April 1987 Wetzlar besuchen konnte.
—› Information zu Tomasz Kiryllow

Mit der Fusion der mittelhessischen IG Metall Verwaltungsstellen geriet die Wetzlarer Ausstellung in Vergessenheit. Mittlerweile sind die alten Tafeln vergilbt und für heutige museumsdidaktische Ansprüche überholt. Aber der darin zusammengetragene Wissensschatz über das Ausmaß der NS-Zwangsarbeit in Wetzlar hat ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Kenntnisse sollten nicht verloren gehen. Verknüpft mit den heutigen Kenntnissen über das reichsweite System der NS-Zwangsarbeit und den heutigen medialen Darstellungsmöglichkeiten bieten sie sich an als Basis für eine Neudarstellung der mit der Zwangsarbeit verbunden Ereignisse in Wetzlar.

 
 

REMAKE der alten Ausstellung
2013 gründete sich der Verein WETZLAR ERINNERT e.V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Gedenk- und Erinnerungsprojekte zu den lokalgeschichtlichen Ereignissen der NS-Zeit zu initiieren. Geschichtsforschung nicht als Selbstzweck, sondern als Erkenntnisgewinn für eine verantwortungsbewusste Gestaltung unserer Zukunft. Niemand kann uns heute für das verantwortlich machen, was damals geschah. Wir tragen aber eine Verantwortung dafür, dass sich derartiges nicht mehr wiederholt. Vor dem Hintergrund des Erstarkens des Rechtspopulismus und der Zunahme extrem rechter Gewalttaten sollte umso mehr mit Gedenk- und Erinnerungsinitiativen das Geschichts- und Problembewusstsein in der Bevölkerung gestärkt werden und ein Beitrag für die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie geleistet werden.

Die IG Metall Mittelhessen hat die alte Ausstellung WETZLAR ERINNERT e.V. übergeben. Jener hat es sich zur Aufgabe gemacht, hieraus eine neugestaltete Ausstellung zum Thema Zwangsarbeit in Wetzlar zu verwirklichen. Nach der Abwägung unterschiedlichster Konzepte plädiert der Verein heute dafür:
Das Kapitel »Zwangsarbeit in Wetzlar« hat es heute – einem Dreivierteljahrhundert nach der Befreiung der Stadt durch die Alliierten – verdient, zu einem festen Bestandteil in der Beschreibung der Industriegeschichte Wetzlars zu werden.

Kooperationsprojekte mit der Werner-von-Siemens-Schule seit 2016
Zwischen 2014 – 2016 haben Vereinsmitglieder damit angefangen, die Texte, Tabellen, Grafiken und Bilder der alten Ausstellung digital zu erfassen / zu sichern. 2016 entwickelte sich mit Lehrkräften der Werner-von-Siemens-Schule (der gewerblich technischen Schule in Wetzlar) eine Zusammenarbeit, die es ermöglichen soll, mit Hilfe eines ganzheitlichen, projektorientierten Unterrichts auf der Basis der alten Ausstellung und neuer Erkenntnisse Ausstellungsexponate für eine künftige Ausstellung in der Museumslandschaft der Stadt Wetzlar zu konzipieren und zu realisieren.
—› Einzelheiten hierzu

Hierzu sollen in den nächsten zwei Jahren praktische Schritte der Neugestaltung der Ausstellung erfolgen.

 
 
 
 
  1. Workshop zur Ideensammlung
    zu einer Ausstellungsneugestaltung am Sa., 12.03.2016
    in der Werner-von-Siemens-Schule
    mit Schülern, Lehrkräften, Politikern, Vereinsmitgliedern, Vertretern der LAG Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen, HLZ. Ergebnis:
    • Gründung einer Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Ideensammlung.
    —› Dokumentation des Impulsworkshops

  2. AG REMAKE der Ausstellung Zwangsarbeit
    die in Folge des Workshops bis Sommer 2017mit Schülern, Lehrkräften und Vereinsmitgliedern arbeitete.
    • Monatliche Treffen im Eigenlernzentrum mit Aufgabenverteilungen und der Beratung von Zwischenergebnissen
    • Erstellung einer Werbeausstellung auf 6 Roll Ups für die Aufnahme des Themas in der Museumslandschaft der Stadt Wetzlar
    —› Die Inhalte der 6 Tafeln: Tafel 1 | Tafel 2 | Tafel 3 | Tafel 4 | Tafel 5 | Tafel 6 | Damals– Heute

  3. Präsentation der AG-Ergebnisse:
    am 12.06.2017 gegenüber der Presse
    am 29.11.2017 im Kulturausschuss der Stadt Wetzlar
    am 03.09.2017 auf dem internationalen Kulturfest des Ausländerbeirates
    bei Enthüllungen von Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit (z.B. 06.12.2018 bei IKEA)

  4. Gestaltungsvorschläge für eine neue Ausstellung
    Rund 40 Jugendliche Jahrgangsstufe 13 (Q 3) des Beruflichen Gymnasiums der Werner-von-Siemens-Schule hatten innerhalb einer Projektwoche in 14 Arbeitsgruppen von jeweils zwei - drei Schülerinnen und Schülern Tafeln der alten IG Metall-Ausstellung zur Zwangsarbeit in Wetzlar als Gegenstand eines Unterrichtsprojektes im Fach Geschichte erfasst. Die Aufgabenstellung für die Schülerinnen und Schüler lautete:
    • Thematische und informative Erfassung von einer bzw. zwei alten Ausstellungstafeln.
    • Eigenverantwortliche Recherche weiterer Informationen im Internet, in Archiven und Literatur zum jeweiligen Thema.
    • Kritische Würdigung der alten Tafelgestaltung und der Verständlichkeit der Botschaften, sowie der inhaltlichen  Nachvollziehbarkeit für die Betrachter.
    • Entwicklung von Ideen zur inhaltlichen und visuellen Neugestaltung des Themas, eingebettet in ein neues Ausstellungskonzept.
    • Materielle, praktische  Umsetzung dieser Ideen.
    • Vorbereitung einer Präsentation.
    • Absprachen zur Vorstellung der Projektergebnisse.
    • Präsentation der Arbeitsgruppenvorschläge am 29.10.2017 vor den projektleitenden Lehrkräften und allen beteiligten Schüler*innen.

    Fazit:
    Eine Vielzahl genialer Ideen, wie die alte Ausstellung neu kreiert werden kann. Diese können nun die Grundlage dafür bilden, neue Ausstellungsexponate für die künftige Ausstellung zu fertigen.

    —› Details zu den neuen Ausstellungsideen
 
 

Externer Beistand und Beratung   

Zum Beispiel durch

 
 

Externe Hilfestellung durch

  • ideelle und finanzielle Unterstützung für die Fertigung einzelner Ausstellungsexponate (Material, Spenden etc.) oder des Ausstellungsprojektes in Gänze,
  • wissenschaftliche Begleitung des Projektes,
  • Vernetzung, Bewerbung und Verbreiterung des Projektes,
  • Unterstützung und Beratung eines europäischen Schüler*innenaustausches bzw. von Workcamps und generationsübergreifender Recherche nach Dokumenten zum Thema,
  • Gedenkstätten– und Museumsbesuche anderenorts.

Am Ende des Start-Up-Workshops muss die Bildung einer Steuerungsgruppe stehen, die sich in den kommenden zwei Jahren um Organisation, Koordination, Planung und Controlling kümmert. Auch hier wären externe Mitarbeit und externer Sachverstand hilfreich.

Projekt Schulpavillon 2019 - 2020
Parallel hierzu sollen und müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den im Rohbauzustand befindlichen Pavillon bezugsfertig machen.

 
 
 
 

Zum Ausdruck oder Download

Weitere Schriften im Zusammenhang mit dem Thema Zwangsarbeit

 
 

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