Gedenktafelenthüllung am 6. Dezember 2018
 

Gedenktafelenthüllung am 19. Dezember 2019 in der Sparkassenpassage

Am 19. Dezember 2019 wurde in der

Sparkassenpassage zwischen Karl-Kellner Ring 23 und der Seibertstrasse zur Erinnerung an das Zwangsarbeiterlager »Umgehungsstraße« der Fa. Pfeiffer Apparatebau die sechste von 22 geplanten »Gedenktafeln zu Ereignissen der NS-Zeit in Wetzlar« enthüllt.

 

Gleichzeitig wurde

eine zweite Gedenktafel vorgestellt, die an der Garbenheimer Straße auf Höhe der Bushaltestelle »Taubenstein« aufgestellt wurde. Sie informiert über das erste Zwangsarbeiterlager der Fa. Pfeiffer am heutigen »Industriepark
Garbenheimer Straße 34«, dass 1942 auf dem Gelände der ehemaligen Erzgrube »Am Taubenstein errichtet worden war. 

 

Fotostrecke | Bilder © Arne Beppler und Klaus Petri:

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1 bis 18 von insgesamt 18

 

Gedenktafelenthüllung am 19.12.2019 in der Sparkassenpassage am Karl-Kellner-Ring

Von Klaus Petri
»Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.« Mit diesem Satz des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizäcker leitete Wetzlars OB Manfred Wagner (SPD) seine Ansprache zur Enthüllung der sechsten (am Verkehrskreisel Taubenstein) und siebten (in der Sparkassen-Passage zwischen Karl Kellner-Ring und Seibertstraße) von über 20 geplanten Erinnerungstafeln zur NS-Geschichte ein.

»Während der heutige Name ›Karl-Kellner-Ring‹ an Wetzlars traditionsreiche Zeit als Standort der optischen Industrie erinnert, wurde die ursprünglich ›Umgehungsstraße‹ genannte Verkehrsader während des Krieges in ›Jakob Sprenger-Straße‹ umbenannt. Die Ehrung galt dem damaligen NSDAP-Gauleiter, einem besonders rabiaten Antisemiten und fanatischen Nazi,« erläuterte Ernst Richter (Vorsitzender von Wetzlar erinnert e.V.) zur örtlichen Umgebung des Lagers.

Richter erinnerte daran, dass die in dem Barackenlager der Firma Pfeiffer untergebrachten 390 Menschen (Männer, Frauen und wenige Kinder) ständigem Hunger, der Kälte und willkürlichen Repressalien despotischer Aufseher ausgesetzt waren: »Die SS war das größte Leiharbeitsunternehmen in der deutschen Geschichte. Die aus Osteuropa verschleppten Menschen galten gemäß der NS-Rassendoktrin als ›der letzte Dreck‹. Küchenabfälle seien für deren Ernährung völlig ausreichend, hieß es in einem behördlichen Erlass.«

Wenn von den Arbeitssklaven welche erkrankten, wurden sie in die Herkunftsländer zurück geschickt und blieben sich dort selbst überlassen. »Nach der Befreiung der Herkunftsländer gegen Ende des Krieges durch die Rote Armee wurden sie in der Euthanasieanstalt Hadamar getötet,« ergänzte Richter.

Die Firma Pfeiffer Apparatebau produzierte im Gebäude Brühlsbachstraße 15, dem heutigen Hessenkolleg, u.a. Flugzeugmotoren und sogenannte Drehkreisel für die gegen England eingesetzten Raketen (»V-Waffen«). Richter zeigte den Anwesenden ein Exemplar der 1985 im (Ost-)Berliner Dietz-Verlag unter dem Titel »Und ihr werdet doch verlieren!« erschienenen Lebenserinnerungen des polnischen Antifaschisten Thomasz Kiryllow (1925-90), der wegen Sabotage am Arbeitsplatz über ein Frankfurter Zuchthaus ins KZ Buchenwald verschleppt wurde: »Leider ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich. Wir haben aber Kontakt mit der Witwe und der Tochter aufgenommen und planen mit deren Einverständnis eine Neuauflage. Kiryllow berichtet sehr lebendig von seinen Wetzlarer Erfahrungen. Das Ganze ist ein Teil der hiesigen Industriegeschichte. Die damals 9.575 Ausländer im Altkreis Wetzlar – 5.500 davon waren in Barackenlagern untergebracht – machten ein Drittel der städtischen Zivilbevölkerung aus«, erläuterte der Vorsitzende von Wetzlar erinnert e.V. und bot den Auszubildenden der Sparkasse Wetzlar und anderen Gruppen zwei- bis dreistündige historische Stadtführungen auf dem »Weg der Erinnerung« an.

Geschäftsführer Daniel Sälzer sprach für die weltweit aufgestellte Aßlarer Firma Pfeiffer Vacuum ein Grußwort: »Es geht um die Erinnerung an zwangsweise entwurzelte Menschen, die rassistisch diskriminiert und denen unsägliches Leid zugemutet wurde. Heute gehören die weltweit 3.000 Pfeiffer-Beschäftigten unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten an. Sie begegnen sich auf Augenhöhe und haben miteinander einen Nutzen vom internationalen Austausch.«

Sparkassen-Chef Norbert Spory findet den Ort der Erinnerung in einer ruhigen Fußgängerpassage gut gewählt und berichtete von familiären Gesprächen über die damalige Zeit: »Meine 1931 geborene Mutter hat als Kind mitbekommen, dass der bei Buderus beschäftigte Vater mit Zwangsarbeitern aus Osteuropa zu tun hatte und es wurde von ukrainischen Mädchen und Frauen berichtet, die als Erntehelferinnen in der Landwirtschaft angefordert wurden.«

Für Spory gehört das Kapitel Zwangsarbeit in der Nazi-Zeit »genauso zur Stadtgeschichte wie das Reichskammergericht oder Goethes Wetzlar-Aufenthalt in 1772«. Heute gelte es, die mit der weltweiten Migration verbundenen Herausforderungen anzunehmen und humane Lösungen für die damit verbundenen Probleme zu finden.

 
 

Tafelenthüllung

  • am Do., 19. Dezember 2019
    zwischen 9:00 und 10:00 Uhr

  • im Atrium der Sparkassenpassage
    zwischen Karl-Kellner-Ring 23 und der Seibertstraße

Treffpunkt bei schlechtem Wetter:
Im Foyer des ImmobilienCenters der Sparkasse Wetzlar

Programm für die Feierstunde zur Tafelenthüllung:

  • Einleitung und Begrüßung:
    Ernst Richter

    Vorsitzender von Wetzlar erinnert e.V.

  • Für die Tafel-Stifter sprechen:
    Oberbürgermeister Manfred Wagner

    Daniel Sälzer

    Geschäftsführer der Fa. Pfeiffer Vacuum, Aßlar

    Norber Spory
    Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wetzlar

Anmeldung zur Tafelenthüllung:
Um eine Rückmeldung bezüglich der Teilnahme wird bis zum 18.12.2019 gebeten.
Bitte nutzen Sie hierfür das nachfolgende Anmeldeformular.

 
 

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—› Einladungskarte für die Gedenktafelenthüllung am 19.12.2019   

—› Das Ausmaß von Zwangsarbeit in Wetzlar
     (Hintergrundinformationen zu diesen beiden Tafeln)

—› Die Gedenktafel zum Lager Taubenstein
     (Einsicht und Download der Tafel als PDF, 337 KB)  

—› Die Gedenktafel zum Lager Umgehungsstraße
    
(Einsicht und Download der Tafel als PDF, 456 KB)

 
 

Ausmaß der NS-Zwangsarbeit in WZ

Eine Dokumentation über die Arbeits- und Lebensbedingungen

 
 
 

Tafel zum Lager Umgehungsstraße

Einsicht und Download

 
 
 

Tafel zum Lager Taubenstein

Einsicht und Download

 
 
 
 

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