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In eigener Sache: SPD verleiht Lina Muders-Preis an Ernst Richter

Der SPD-Stadtverband Wetzlar verlieh am 20. März den Lina-Muders-Preis

an den Vorsitzenden unseres Vereins, Ernst Richter. Bilder von der Preisverleihung im Lina-Muders-Sall (AWO-Heim, Wetzlar) und einem Bericht von Klaus Petri können Sie hier einsehen.

 

Bilder von der Preisverleihung

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Verleihung des Lina Muders-Preises des SPD-Stadtverbandes an Ernst Richter

Von Klaus Petri
Die SPD ist die älteste Partei Deutschlands und hat viele Traditionslinien. Dazu gehört das Engagement von SPD-Mitgliedern für die Werte der parlamentarischen Demokratie - auch in Zeiten, in denen diese fundamental in Frage gestellt werden. Seit 8 Jahren wird vom SPD-Stadtverband Wetzlar der Lina Muders-Preis für demokratisches und zivilgesellschaftliches Engagement verliehen.

Die Namenspatronin, eine Arbeiterfrau aus der Wetzlarer Neustadt, trat 1919 27-jährig in die SPD ein und hatte in diesem Jahr als Frau auch erstmals ein Wahlrecht. Sie gehörte zum Widerstandskreis um den späteren 1. hessischen SPD-Vorsitzenden der Nachkriegszeit und Mit-Konstrukteur der hessischen Landesverfassung, Willy Knothe. Beide waren während der braunen Barbarei als Regimegegner in Haft. Die Verleihung des mit 500 Euro dotierten Preises findet traditionell im nach Lina Muders benannten Saal im Wilhelm-Reitz-Haus der Arbeiterwohlfahrt statt. Lina Muders hatte nach 1945 in Stadt und Kreis die SPD und die AWO mitaufgebaut. 

Die Vorsitzende der SPD-Stadtverordnetenfraktion Sandra Ihne-Köneke hieß die zahlreichen Gäste willkommen, darunter auch den diesjährigen Preisträger Ernst Richter mit seiner Frau Irmi. Oberbürgermeister Manfred Wagner stellte mehrfach die Frage »In welchen Zeiten leben wir?« und verwies dabei auf die Rede des studierten Geschichtslehrers und AfD-Spitzenmannes Björn Höcke, der mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin »eine geschichtspolitische Wende um 180 Grad« eingefordert hatte. Gegenüber grassierender Geschichtsblindheit und Sätzen wie »Das wird man doch wohl noch sagen dürfen?!« müsse entschlossen Widerstand geleistet werden.

Und das sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, nicht nur der Politik und der Staatsorgane. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt skizzierte den Lebensweg des gebürtigen Offenbachers und gelernten Technischen Zeichners Ernst Richter, der auf dem Zweiten Bildungsweg sein Abitur nachgeholt und dann viele Jahre als hauptamtlicher DGB-Sekretär gearbeitet hat. Der Preisträger ist Vorsitzender des Vereins »Wetzlar erinnert e.V.«, unter dessen Ägide bereits 1.400 Menschen den »Weg der Erinnerung« genannten historischen Stadtrundgang mit Stationen aus Wetzlars ‚brauner Zeit‘ unternommen haben. Richter hat »Erzählcafés« mit Zeitzeugen organisiert, antifaschistische Schulprojekte (»Menschenbilder«) begleitet und Proteste gegen einen in 2010  von Neonazis auf ein Wohnhaus in Wetzlar begangenen Brandanschlag sowie gegen einen Neonazi-Aufzug vor 2 Jahren (»Herz statt Hetze«) initiiert.

»Ich empfinde es als ein Geschenk, in Frieden und Freiheit aufgewachsen zu sein. Menschen wie Ernst Richter schreiten ein, wenn der Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und Minderheitenrechte von rechts  attackiert werden«, lobte die Bundestagsabgeordnete. Das aktuelle Projekt des 64-Jährigen, der auch Sprecher des Wetzlarer Personenbündnisses »Bunt statt Braun« ist, sei die Restaurierung und Aktualisierung einer in den 80er Jahren von der IG Metall erstellten Ausstellung über Zwangsarbeit in Wetzlar während des Zweiten Weltkrieges (»Verschleppt, entrechtet, ausgebeutet«).

Zu den Gratulanten zählte auch die 18-jährige Cheikha, älteste Tochter der syrisch-kurdischen Familie Youssef, für die das Ehepaar Richter eine Patenschaft übernommen hat. Für den diesjährigen Muders-Preis sind insgesamt 6 Vorschläge beim SPD-Stadtverband eingegangen. Zu den Jury-Mitgliedern gehörten u.a. der DGB-Kreisvorsitzende Arne Beppler, der Schulleiter der Werner von Siemens-Schule, Michael Diehl, und Polizeioberrat Peter Klingelhöfer.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Harfenistin Julia Pritz (Weimar/Wetzlar). Ernst Richter zitierte in einer kurzen Dankesrede den Schriftsteller Erich Kästner, dessen Texte im Mai 1933 auf den Scheiterhaufen einer reichsweit durchgeführten  Bücherverbrennung landeten:

  • »Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen.

    Später war es zu spät.

    Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird.

    Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist.

    Man muss den rollenden Schneeball zertreten.

    Die Lawine hält keiner mehr auf.«

    Erich Kästner