Unser Verein

 

Ehrenmitglieder

§ 5 Abs. 6 unserer Satzung regelt:

Zum Ehrenmitglied können natürliche Personen ernannt werden, die sich in besonderer Weise um den Verein verdient gemacht haben. Hierfür ist ein Beschluss der Mitgliederversammlung erforderlich. Auch Betroffenen kann die Ehrenmitgliedschaft verliehen werden.

 

Gisela Jäckel zum Ehrenmitglied ernannt

Überreichung der Ehrenurkunde an Gisela Jäckel am .11.2014 in der Mitgliederversammlung unseres Vereins. Von links: Dr. Bergis Schmidt-Ehry (sitzend), Ernst Richter, Gisela Jäckel und ihr Mann Manfred Jäckel (sitzend).

 

WETZLAR ERINNERT heißt Gisela Jäckel als Ehrenmitglied willkommen

Von Klaus Petri
Anlässlich seiner Mitgliederversammlung am 16. August 2014 nahm der Verein WETZLAR ERINNERT e.V. die achtzigjährige Wetzlarerin Gisela Jäckel als ihr Ehrenmitglied auf. Die Satzung des Vereins legt fest, dass Personen als Ehrenmitglied ernannt werden können, »die sich in besonderer Weise um den Verein verdient gemacht haben«. In seiner Laudatio würdigte Dr. Bergis Schmidt-Ehry Jäckel »als eine bedeutende Zeitzeugin, die engagiert dabei hilft die Erinnerung an die Gewaltherrschaft des Faschismus sowie an den Widerstand mutiger Menschen im Raum Wetzlar« zu fördern. Jäckel trete – trotz ihres hohen Alters - mutig und kompromisslos gegen Rechtsextremismus, Terrorismus und Rassismus ein.

 

In der Nazi-Zeit war Gisela Jäckel als »jüdisches Mischlingskind« abgestempelt und damit aus der  sich »rein arisch« verstehenden Volksgemeinschaft ausgeschlossen. Kontakte zu ihr waren verpönt oder gefährlich. Freundinnen oder Freunde hatte sie damals keine.

1938 musste sie als Vierjährige erleben, wie ihr Großvater Josef Lyon gemeinsam mit 23 anderen jüdischen Männern »in Schutzhaft« genommen wurde. Da er über 60 Jahre alt war, kam er zunächst wieder frei, die anderen Männer wurden ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Doch dies war nur ein Aufschub von ein paar Jahren. Der Altmetallhändler Josef Lyon und seine Frau Berta wurden im April 1940 in die Vernichtungslager abtransportiert. Zwei Jahre später wurde auch Gisela Jäckels Mutter Rosa Best nach Auschwitz gebracht und dort 1944 ermordet. Auch die Tanten Lina Wollmann und Paula Weber wurden von den Nazis ermordet. Hätte sich der Vormarsch der Amerikaner verzögert, wäre auch Gisela selbst noch Opfer des Rassenwahns geworden. Den Alltagsrassismus der Braunen erfuhr sie hautnah bei Luftangriffen auf Wetzlar:  Obwohl ihr christlicher Vater bei der »technischen Nothilfe« arbeitete, verweigerte man dem als »Judenbalg« geschmähten Kind einen Platz im Bombenschutzkeller.

 
 

»Wenn Gisela Jäckel vor Schulklassen über die Umstände des Verlustes ihrer Puppe berichtet, wie sie hilflos vor der versiegelten Wohnung ihrer für immer verschwundenen Großeltern steht, gewinnt die Grausamkeit des 'Dritten Reiches' ein sehr konkretes Gesicht. Diese sinnliche Veranschaulichung gibt der historischen Erinnerung eine andere Qualität und trägt mit dazu bei, dass sich Vergleichbares nicht mehr ereignet«, führte Schmidt-Ehry aus. Dem vor knapp zwei Jahren gegründeten Verein WETZLAR ERINNERT sei es eine besondere Ehre, Gisela Jäckel ab jetzt zu seinen Mitgliedern zu zählen.

Der Vereinsvorsitzende Ernst Richter überreichte dem neuen Ehrenmitglied die entsprechende Urkunde.

Gisela Jäckel bedankte sich für die herzliche Aufnahme und versicherte, dass sie auch künftig vor Schulklassen aus ihrem Leben erzählen werde. Sie habe lange gebraucht, bis sie in der Lage gewesen sei sich von Beschämungen zu befreien und offen über ihre Kindheitserlebnisse reden zu können: »Heute muss ich das tun. Ich kann gar nicht anders!« Ihrem Mann Manfred dankte Frau Jäckel für die erfahrene Unterstützung.

 
 
 

Gespräch mit Gisela Jäckel als Zeitzeugin

Johanna Schmidt im Gespräch mit Gisela Jäckel

Johanna Schmidt, FSJ-lerin der Evangelischen Jugend Wetzlar, im Gespräch mit Gisela Jäckel - eine Zeitzeugin aus Wetzlar.

»Mit der Erinnerung wird aus der Dunkelheit Licht. Die Erinnerung ist die Grundlage für die Gegenwart, aus der wir die Zukunft gestalten,« so Andrew Steinmann, der Rabbiner aus Frankfurt bei der Verlegung von 19 Stolpersteinen im September diesen Jahres in Wetzlar. Das Jugendpfarramt und der Gemeindedienst des Evangelischen Kirchenkreises Wetzlar hatte aus diesem Anlass junge Erwachsene zu einem Besondern »Ge(h)denken« eingeladen.

Frau Johanna Schmidt, freiwilliges soziales Jahr (FSJ), befragte dazu eine über 80-jährige Zeitzeugin, um zum Hintergrund der Stolpersteinverlegung zu Ehren von Moritz Wertheim in der Silhöfer Straße 6 etwas zu erfahren. Die Wetzlarer Bürgerin Gisela Jäckel hatte als Vierjährige miterleben müssen, wie ihr Großvater gemeinsam mit vielen anderen jüdischen Männern 1938 in sogenannte »Schutzhaft« genommen wurde. Einer dieser jüdischen Männer war der 1869 geborene Moritz Wertheim. Er kam nach Buchenwald, wurde 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt (Tschechien) deportiert und schließlich im größten nationalsozialistischen Vernichtungslager Treblinka in Polen ermordet.