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Erste Gedenkstättenfahrten von WETZLAR ERINNERT e.V. am 11.05.2014 nach Trutzhain

Gedenkstätte Trutzhain

Die Wetzlarer Gruppe vorm Eingang der Gedenkstätte

 
 

Der im August 2013 gegründete Verein

WETZLAR ERINNERT e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, an die NS-Zeit in Wetzlar zu erinnern. Damit sich deutscher Faschismus nicht wiederholt, ist es erforderlich, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und Wege zu eröffnen, die auch denen Zugang ermöglichen, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben. Neben dem »Weg der Erinnerung« und dem Remake einer Ausstellung von 1986 zum Ausmaß von Zwangsarbeit in Wetzlar, gehört das Angebot von Gedenkstättenfahrten. Die erste Fahrt zur Gedenkstände in Trutzhain fand am So., 11. Mai 2014 insgesamt 21 Teilnehmer/-innen statt. Hier der Bericht und Bilder (gewünschtes zum Öffnen anklicken).

 
 
 

Der im August 2014 gegründete Verein WETZLAR ERINNERTe.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, an die NS-Zeit in Wetzlar zu erinnern. In der Präambel des Ver-eins heißt es:

  • Wer nicht erinnert, vergisst – wer vergisst, kann wieder schuldig werden

    Damit sich deutscher Faschismus nicht wiederholt, ist es erforderlich, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und Wege zu eröffnen, die auch denen Zugang ermöglichen, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben. Es gilt, kenntlich zu machen, wie es dazu kommen konnte, dass in einem Land mit großer humanistischer Tradition die Saat menschenverachtenden Gedan-kenguts aufging und ein Terrorregime Unterstützung fand.

Die Arbeit von WETZLAR ERINNERT basiert auf der Erkenntnis, dass es notwendig ist, Fakten zu benennen, Geschehenes zu dokumentieren, nichts zu beschönigen und die Erinnerung wach zu halten.Neben dem »Weg der Erinnerung« (einer antifaschistischen Stadtführung durch Wetzlar) und dem Remake einer Ausstellung aus den 1980er Jahren über das Ausmaß von Zwangsarbeit in der Stadt und dem Landkreis Wetzlar hat sich eine dritte Säule im Vereinsleben etabliert: Die Organisierung von

  • Bildungsveranstaltungen
  • Themenabende
  • Studienfahrten

die die NS-Geschichte zum Gegenstand haben.

Hierzu gehört auch das erste Angebot einer Studienfahrt zur Gedenkstände Trutzhain für interessierte Wetzlarer Bürgerinnen und Bürger. Diesem Angebot folgten am So., 11. Mai 2014 insgesamt 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Wir danken der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) für die Unterstützung derartiger Gedenkstättenfahrten.

 
 

Seit 2003 gibt es in dem Schwalmstädter Ortsteil Trutzhain eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlager (Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager STALAG IX A Ziegenhain), von denen es insgesamt 83 auf dem deutschen Reichsgebiet gab.

Das »STALAG IX A Ziegenhain« war das größte Kriegsgefangenenlager auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen. Bis 1945 wurden in diesem Lager Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationen interniert: Zunächst Polen und Franzosen (darunter der spätere französische Staatspräsident François Mitterrand). Hinzu kamen Niederländer, Belgier, Briten, Serben sowie Italiener und Amerikaner und in einem abgetrennten Teil sowjetische Kriegsgefangene.

Als das Lager am 30. März von amerikanischen Soldaten befreit wurde, waren dort etwa 3.700 westalliierte und 1.000 sowjetische Kriegsgefangene »untergebracht«.

Nach der Befreiung diente das Lager zur Internierung von NSDAP Funktionären, der Aufnahme von Displaced Person (DPs) sowie der späteren Ansiedlung von heimatvertriebenen Deutschen. Hieraus entstand die spätere Gemeinde Trutzhain.

 
 

Die Leiterin der Gedenkstätte, Karin Brandes, begrüßte unsere Gruppe mit einem rechnergestützten Einführungsvortrag mit Informationen

  • zur Standortauswahl für das Lager,
  • zu den einzelnen Phasen der Lagererrichtung und des –ausbaus,
  • zur Internierung von Kriegsgefangenengruppen (chronologisch und nach Nationen),
  • zur völkerrechtswidrigen Nutzung der Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter (hierbei verwies Frau Brandes auch auf den Einsatz von Kriegsgefangenen in der Wetzlarer Rüstungsindustrie),
  • zur Befreiung durch die Amerikaner,
  • über die Lagernutzung nach der Befreiung und die Entstehung der Gemeinde Trutzhain.

Ergänzt wurde diese Einführung durch einen Dokumentarfilm, in dem zwischenzeitlich zumeist verstorbene Zeitzeugen der Gefangenen, des Wachpersonals und deutscher Anwohner zu Wort kommen. Durch den Film wurde den Teilnehmer/-innen unserer Studienfahrt sehr eindrücklich vermittelt, wie sich in dem grausamen Lageralltag das rassistische und völkische Menschenbild in der differenzierten Behandlung der Gefangenen widerspiegelte. Konnten z.B. die französischen Kriegsgefangenen in ihrer knapp bemessenen Freizeit kulturellen Aktivitäten nachgehen, wurden die polnischen und später russischen Kriegsgefangene generell wie der letzte Dreck behandelt.

Dem Vortrag und Film schloss sich ein Rundgang durch das Areal des ehemaligen Lagers an. Ein Großteil der Baracken befindet sich heute im Besitz der dort lebenden Bürgerinnen und Bürger, die sie entsprechend ihrer Anforderungen um- bzw. ausgebaut haben. Leider mussten wir aufgrund starker Regengüsse die Führung durch das Außengelände abkürzen.

Bei der anschließenden Besichtigung der Dauerausstellung konnten die Teilnehmer/-innen ihre neu gewonnen Kenntnisse abrunden bzw. vertiefen. Bei ihren Recherchen vor Ort stießen die Geschichtsinteressierten auch auf die Personalakte eines russischen Gefangenen, der zweimal vergeblich versucht hatte aus Wetzlar zu fliehen.

Die didaktische Konzeption der Dauerausstellung diente aber auch der Projektgruppe »Zwangsarbeiterausstellung« unseres Vereins als Ort der Anregungen.

Die ebenfalls geplante Besichtigung der beiden rund 300 m entfernten Friedhöfe musste wetterbedingt leider ebenfalls abgebrochen werden. Der Versuch, alternativ mit dem Bus zu den Friedhöfen zu fahren, scheiterte an den Wegeverhältnissen. Für die Mehrheit der Teilnehmer/-innen ist das aber ein Grund, die Gedenkstätte erneut aufzusuchen.

 
 

Bilder

 

Personalakte eines russischen Gefangenen, der zur Zwangsarbeit nach Wetzlar verschleppt worden war und der zweimal vergeblich versucht hatte aus Wetzlar zu fliehen.

 
 

Bis heute ist in der Siedlung die ehemalige Lagerstraße mit ihren Baracken sowie zwei Friedhöfe prägend. Seit 1985 steht die Siedlung unter Denkmalschutz.