Gedenkstättenfahrten

 

2014: Verstrickung der Justiz in das NS-System • Luftkrieg über Frankfurt

Die Wetzlarer Gruppe vorm Karmeliter-Kloster

Die Wetzlarer Gruppe vorm Karmeliter-Kloster, in der sich die Ausstellung »Luftkrieg über Frankfurt befand

 
 

Im Januar 2014 bot WETZLAR ERINNERT e.V.

eine Besuchsfahrt zu zwei Ausstellungen in Frankfurt an. Zum einen ging es um die Ausstellung »Die Verstrickung der Justiz in den NS-Staat«, die im Oberlandesgericht zu sehen war. Thomas Altmeier vom Studienkreis Deutscher Widerstand beleitete die Wetzlarer Gruppe durch die Ausstellung.

 

Danach wurde die Ausstellung

»Heimat – Front • Der Luftkrieg über Frankfurt« im ehemaligen Karmeliter-Kloster nahe des Römers besucht. Historiker und Mitkurator Dr. Andreas Bauer führte durch die Ausstellung.

 

Die nachfolgenden Berichte sind von

Klaus Petri (gewünschtes zur Öffnung anklicken).

 
 
 

Von Klaus Petri
Seit 2 Jahren führt der Verein WETZLAR ERINNERT e.V. antifaschistische Stadtführungen durch. Im Rahmen einer eintägigen Studienfahrt nach Frankfurt/M. haben sich 15 Vereinsmitglieder zwei regionalhistorische Ausstellungen in der Mainmetropole angeschaut. Am dortigen Oberlandesgericht ist aktuell eine vom »Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945« konzipierte Dokumentation über die Verstrickung der Deutschen Justiz in die braune Barbarei zu sehen.

»Der Dolch des Mörders war unter der Robe des Juristen verborgen«, lautete ein Kommentar zum Nürnberger Juristenprozess 1947. Auf zwei Etagen des OLG-Gebäudes neben dem ehemaligen Gefängnisbau »Klapperfeld« werden Prozesse gegen Nazi-Gegner wegen „Hochverrats“ ebenso dokumentiert wie Vergehen gegen die »Nürnberger Blutschutzgesetzte« von 1935. Am Ende des Krieges häufen sich drakonische Urteile wegen »Wehrkraftzersetzung« und »Feindbegünstigung«.

Vergleichsweise geringfügige Vergehen – wie Flugblattverteilaktionen – wurden von den politischen Senaten der Oberlandesgerichte geahndet. Bei den 16.700 Anklagen vor dem 1934 eigens installierten Volksgerichtshof ging es um »hochverräterische Tätigkeiten«. Zu dessen Opfern zählt auch der in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtete Buderus-Arbeiter Erich Deibel aus Wetzlar. Er soll 1941 Antikriegsparolen an einer Toilettentür der Rüstungsschmiede Buderus angebracht haben. Dass die Blutrichter des »Dritten Reiches« ihre berufliche Karriere nach 1945 fast ausnahmslos fortsetzen konnten, begründet Ausstellungsbegleiter Thomas Altmeier (Studienkreis Deutscher Widerstand) mit der Kontinuität von »Law-and-Order«-Denken und den Begleitumständen des Kalten Krieges.

 
 

Im ehemaligen Karmeliter-Kloster nahe dem Römerberg ist bis zum 23. März die sehr anschaulich gestaltete Ausstellung »Heimat/Front« zu sehen, bei der es um Hintergründe und Folgen des Luftkrieges 1937 (Guernica) bis 1945 geht. Vor dem Portal ist eines von 200 der damals um Frankfurt installierten Flak-Geschütze aufgestellt. Die 8,8 cm Kanone wurde jüngst bei Grabungsarbeiten am Terminal 3 des Frankfurter Flughafens entdeckt und mit Beton ausgegossen. Nur so konnte sie als Schaustück verwendet werden.

Mit der Inschrift »Hölle für Polen – eine Kinosensation für Deutsche« wurde die Bombardierung Warschaus im Herbst 1939 kommentiert. Rund 20 Tausend Bewohner der polnischen Hauptstadt fanden dabei den Tod. In Frankfurt/Main schätzt man die Zahl der Getöteten auf rund 6000. Knapp die Hälfte davon wurde in einem Massengrab auf dem Waldfriedhof anonym beigesetzt. Abgeschossene angloamerikanische Bomberpiloten wurden zentral in einem »Durchgangslager-Luft« im Grüneburgpark interniert. Nach dessen Zerstörung im März 1944 wurde das »Dulag« nach Wetzlar verlegt.

Die Nazis hatten die Bevölkerung seit den 30er Jahren auf den Luftkrieg eingestimmt. Der Reichsluftschutzbund zählte 1940 elf Millionen Mitglieder. »Teilnahmslosigkeit gegenüber dem Luftschutz ist Landesverrat«, lautete drohend eine Plakatparole. Die Firma Osram entwickelte spezielle Verdunkelungsglühbirnen, ein Arzt aus Sachsenhausen deckte seine Scheinwerfer bei Fahrten in die Innenstadt mit Metallklappen ab. In den Treppenhäusern waren Sandsäcke gelagert, die Phosphorbrände eindämmen helfen sollten. Die 34 Millionen vorsorglich produzierten Gasmasken kamen nicht zum Einsatz, weil – anders als im 1. Weltkrieg – beide Kriegsparteien den Einsatz von Chemiewaffen vermieden.

Als Rarität der Ausstellung bewertete der Historiker und Mitkurator Dr. Andreas Bauer ein Ensemble aus Glas und Porzellan-Geschirr aus einer Frankfurter Bürgerwohnung: Wegen des unterschiedlich hohen Schmelzpunktes der beiden Materialien sind Teetasse und –kanne  – nach einem 1000 Grad-»Wärmebad« – unversehrt, während das umgebende Glas nach dem Erkalten an eine Malerei von Salvador Dali erinnert.

 
 

Bilder

 

Fotostrecke von der Fahrt zu den Ausstellungen in Frankfurt

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