News und Termine

 

Gedenkstättenfahrt

 

2019: Gedenkstättenfahrt zur Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Gießen

Die Geschichte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Gießen

wird in der Daueraustellung »Vom Wert des Menschen« auf dem Gelände der heutigen Vitos-Klinik in Gießen kritische beleuchtet.

In der Heil- und Pflegeanstalt Gießen - 1911 am Rande der Stadt gegründet – wurde im Rahmen des »NS-Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses«, ab  1934 Patientinnen und Patienten sterilisiert. Später wurden Rahmen der »T4-Aktion« von Januar bis März 1941 zweihundertfünfundsechzig Patientinnen und Patienten aus der Heil- und Pflegeanstalt Gießen abgeholt und in Hadamar ermordet. Die Sterberate der Patienten war in den Jahren 1941 bis 1945 sehr hoch. Gründe waren vermutlich die niedrigen Pflegesätze und eine mangelhafte Versorgung von Kranken. 1940 wurde die Einrichtung Zwischenanstalt für jüdische Patientinnen und Patienten, die von Gießen aus in eine Tötungsanstalt deportiert wurden. In drei Häusern wurde eine neurologisch-psychiatrische Beobachtungsstation für über 5000 Angehörige der Waffen-SS eingerichtet. Monika Graulich wird uns durch die Ausstellung und auf dem Geländer der Klinik begleiten. Hier die Einzelheiten zum Programm, Zeitplan und zur Teilnahme.

 

Anmeldung:
Die Anmeldung ist obligatorisch und bitte bis spätestens Mo., den 03.06.2019, 18:00 Uhr vorzunehmen. Hierzu haben Sie die Möglichkeiten:

Die Fahrt ist auf max. 20 teilnehmende Personen limitiert.

Wir fahren gemeinsam mit dem ÖPNV nach Gießen Licher Straße:
Wir fahren mit dem ÖPNV über mit RMV-Gruppentickets, die der Verein zur Verfügung stellt.

Teilnahmepreis:
Da die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung diese Gedenkstättenfahrt bezuschusst, beträgt der Teilnahmepreis

  • 5,-- € für Vereinsmitglieder
  • 7,-- € für sonstige Teilnehmer/-innen 

Wir bitten das Geld abgezählt mitzubringen, danke!

→ Weitere Einzelheiten können Sie unserem Flyer entnehmen (fehlt noch)

 
 
  • TREFFPUNKT 10.15 Uhr
    Bahnhof Wetzlar – Bahnhofsvorplatz

    Willy-Brand-Platz | D 35576 Wetzlar
    Entrichtung des Teilnahmebeitrags
  • ANREISE 9.37 Uhr
    Abfahrt in Wetzlar
    mit der Regionalbahn Limburg –› Fulda über Gießen 
    • ab Wetzlar, 10:26 Uhr, Gleis 3
    • an Gießen Licher Straße, 10:47 Uhr
    • Fußweg von 300 m zum Klinikgelände
  • ANKUNFT 11.45 Uhr
    Am Eingang der Vitos-Klinik Gießen

    Licher Straße 104 | 35394 Gießen
 
 
  • PROGRAMM ab 11.00 Uhr
    Beginn der Führung

    mit Monika Graulich von .
    • eine Einführung durch das Vitos-Gelände und zur Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt
    • Mahnmal für die Opfer der Ethanasie
    • Besichtigung der Gedenkstätte mit der Ausstellung »Vom Wert des Lebens«
    • Informationen zur Entstehungsgeschichte der Gedenkstätte
    • Gespräch mit Monika Graulich
  • DAZWISCHEN
    Gelegenheit zum Essen und Trinken in der Cafeteria der Klinik
  • RÜCKFAHRT gegen 15:00 Uhr
    mit der Regionalbahn über Gießen Hbf nach Wetzlar
  • ANKUNFT 15:33 Uhr
    Ankunft in Wetzlar
 
 
 
 

GEDENKEN 2014: Euthanasieopfern eine Stimme geben

Gedenkfeier für 400 ermordete Patienten der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt sowie Provinzial-Siechenanstalt

Sie wurden vergast, vergiftet oder man ließ sie verhungern: Von 1939 bis 1945 fielen 250 000 bis 300 000 psychisch, geistig und körperlich kranke Menschen der Euthanasie zum Opfer. Auch in Gießen wurde gemordet. Über 400 Patienten aus der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt sowie der Provinzial-Siechenanstalt, welche beide in der Licher Straße gelegen waren, wurden im Rahmen der sogenannten »T4-Aktion« in Brandenburg und Hadamar umgebracht. Zum 75. Jahrestag des von Adolf Hitler im Oktober 1939 unterschriebenen und auf Kriegsbeginn am 1. September zurückdatierten Euthanasieerlasses wurde den Opfern in der Kapelle der Vitos-Klinik gedacht. Neben Redebeiträgen zu den historischen Ereignissen stand ein Konzert mit Liedern von im Dritten Reich verbotenen Komponisten im Mittelpunkt der Gedenkfeier.

»Vor 75 Jahren wurde das dunkelste Kapitel der Gießener Psychiatrie aufgeschlagen«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Für sie sei es unfassbar, wie ein langer Prozess menschlicher Fürsorgepflicht gegenüber kranken und schwachen Menschen binnen kürzester Zeit relativiert werden konnte. Und daran habe die Gießener Psychiatrie einen großen Anteil. »Gießener Ärzte haben mitbestimmt, wer leben darf und wer nicht«, zeigte sie sich betroffen. Es sei deshalb umso wichtiger, dass die Vitos-Klinik mit einer solchen Gedenkfeier daran erinnere. »Die Euthanasie ist immer noch ein sehr vernachlässigtes Thema in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und das muss geändert werden«, forderte die OB. Zur Erinnerung an die Opfer mahnte auch Dr. Dow Aviv, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Gießen. »Solange wir ihre Namen nennen, sind sie unter uns«, betonte er. Aviv warnte davor, dass bei Verschlechterung der äußeren Umstände so etwas schnell wieder passieren kann. Deshalb dürfe man diese Verbrechen niemals vergessen. »Es ist wichtig, zu zeigen, was wir und unsere Kinder heute präsentieren.«

Besonders bedrückend waren die von Herwig Groß genannten Beispiele von Einzelschicksalen. So ist dem aus der Wetterau stammenden Jakob S. das 1933 verabschiedete »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« zum Verhängnis geworden. Denn als dieser heiraten wollte, beantragte er beim Bürgermeister ein in dieser Zeit übliches Ehestandsdarlehen. "Der Bürgermeister erinnerte sich jedoch daran, dass Jakob in der Schule zweimal sitzen geblieben war, und gab den Fall an den Büdinger Amtsarzt weiter", führte Groß fort. Dieser habe Jakob an das Gießener Erbgesundheitsgericht weitergeleitet, welches eine Zwangsbegutachtung von ihm veranlasste. »Der Gutachter stellte dabei jedoch fest, dass bei Jakob nur eine geringe Minderung der Intelligenz vorlag.« Trotzdem beschlossen die Gießener Richter seine Sterilisation. Die Begründung des Eingriffs war so schlicht wie abartig. »Es hieß, dass sich gerade diese Gruppe am Häufigsten fortpflanze«. Im Nationalsozialismus sind über 400 000 Menschen zwangssterilisiert worden.

Die Klinikseelsorgerinnen Sabine Eichler und Mechthild Brandbeck verlasen das vom Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer 1944 in Gestapo-Haft verfasste Gedicht »Von guten Mächten treu und still umgeben«, welches anschließend mit allen Anwesenden gesungen wurde. Brandbeck bezeichnete die Veranstaltung als einen "Moment des Innehaltens im Getriebe des Alltags". Im Gedenken an die Opfer sei man nicht alleine, sondern könne die eigene Betroffenheit mit anderen teilen. »Dadurch machen wir auch der Öffentlichkeit deutlich, was uns berührt.«

Quelle: Gießener Zeitungen

 
 
Monika Graulich - Ernennung zur Stadtältesten

Monika Graulich (mitte)
Rechts: OB Dietlinde Grabe-Bolz.

 
 

Für unsere Führung über das Gelände der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt in Gießen Lehrpfades und Begleitung durch die Gedenkstätte mit der Ausstellung »Vom Wert des menschlichen Lebens« konnten wir Monika Graulich (Bild links) gewinnen.

Die 75-jährige ist seit Jahrzehnten engagiert in der bundesweiten Vereinigung »GEGEN Vergessen – FÜR Demokratie«. Die Initiative zur Verlegung von mehr als 150 Stolpersteinen in Gießen trägt ihre Handschrift. Und dieses gilt für viele weitere Gedenkprojekte zur NS-Zeit in der Universitätsstadt.

Monika Graulich ist außerdem ehrenamtliche Stadträtin und wurde im Juni 2017 zur Stadtältesten von Gießen ernannt. In Würdigung ihres 20-jährigen Engagements als ehrenamtliches Magistratsmitglied und ihrer Verdienste für die Stadt wurde Monika Graulich im Juni 2017 mit der silbernen Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet.

 
 
 
 

Anmeldung für eine Gedenkstättenfahrt

Anmeldung für eine Gedenkstättenfahrt
Ich habe / Wir haben Interesse an der Teilnahme einer Gedenkstättenfahrt und bitte um Mitteilung darüber, ob mir hierfür ein Platz reserviert werden konnte. / die entsprechenden Plätze reserviert werden konnten:
 

–› Veranstaltungsflyer zum Download (PDF,DIN A-4 Querformat)

 
 

Hinweis: Planungsstatus - Änderungen vorbehalten!