News und Termine

 

Gedenkstättenfahrten des Vereins WETZLAR ERINNERT e.V.

 

Einzelheiten zu bisherigen Gedenkstättenfahrten

Bericht von der Gedenkstättenfahrt nach Frankfurt

Am So., 11.  Juni 2017 fand eine Gedenkstättenfahrt von WETZLAR ERINNERT e.V. nach Frankfurt am Main statt. Die Fahrt war die vierte dieser Art des 2013 gegründeten Vereins, mit denen Vereinsmitglieder sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit erhalten sollen, Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit anderenorts aufzusuchen.

Erinnerungsstätte Großmarkthalle Frankfurt
Seit der Herrichtung von Teilen des Kellergewölbes der ehemaligen Frankfurter Großmarkhalle als eine Erinnerungsstätte zum Gedenken an die von dort seit 1942 in Güterzügen zusammengepferchten und deportierten jüdischen Mitmenschen, bestand das Interesse von WETZLAR ERINNERT e.V., diesen Ort im Rahmen einer weiteren Gedenkstättenfahrten aufzusuchen. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist heute ein Teil der EZB-Zentrale mit Gastronomie und einem Tagungszentrum.

Von 1941 bis 1945 mietete die Geheime Staatspolizei einen Teil des Kellers der Großmarkthalle als Sammelplatz für die jüdischen Mitmenschen in Frankfurt und Umgebung an, die man deportieren wollte. Nahezu 10.000 Menschen wurden von hier mit Zügen in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt und bis auf wenige ermordet. An diese Ereignisse und die Bedeutung des Ortes erinnert die Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle.

Im Zuge der Errichtung der ihrer neuen Zentrale beschlosse die EZB 2001, gemeinsam mit der Jüdische Gemeinde Frankfurt einen internationalen Wettbewerb zur Schaffung einer Erinnerungsstätte auszuloben. Dieser wurde zwischen 2009 und 2011 von der Stadt Frankfurt am Main in enger Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und der EZB durchgeführt. Der siegreiche Entwurf des Architekturbüros KatzKaiser schafft es, alle vorhandenen authentischen Fragmente thematisch aufzugreifen und als Symbole für die komplexen Geschehnisse der Deportationen lesbar zu machen, ohne den Ort zu vereinnahmen. Dies gilt sowohl für den bürokratischen Akt zur Vorbereitung des Verbrechens als auch für dessen Vollzug – den Abtransport.

Der öffentlich zugängliche Bereich dieser Erinnerungsstätte befindet sich östlich der Großmarkthalle in dem Grünstreifen, der das Ostend für Fußgänger und Radfahrer an den Main anbindet. Ein neuer Weg, eine Platzfläche im Bereich des ehemaligen Gleisfelds und ein Stellwerk entlang des öffentlichen Wegs dokumentieren den Abtransport der jüdischen Frauen, Männer und Kinder. Ein zum Ensemble gehörender Fußgängersteg mit Treppenaufgang nutzten Angehörige für den Abschied, aber auch Schaulustige zur Beobachtung des Geschehens.

Der andere Teil dieser Erinnerungsstätte befindet sich auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank (EZB) und ist ausschließlich im Rahmen von Führungen zugänglich. Eine Zäsur im Gelände markiert den ehemaligen Zugang zu den Kellerräumen der Großmarkthalle. Eine Rampe aus Beton führt von der östlichen Grundstücksgrenze bis in den Keller der Großmarkthalle. Diese Rampe wird von zwei Betonwänden flankiert. Durch eine Glasscheibe kann der Betrachter zum Kellerzugang hinab schauen und in den »Abgrund der Geschichte« blicken. Der Keller, in dem die Menschen vor ihrer Deportation festgehalten wurden, ist als authentischer Ort weitgehend im Ursprungszustand belassen worden.

Die Informationsvermittlung geschieht über Erinnerungen von Opfern und Beobachtern: In die verschiedenen Bauteile der Stätte sind Zitate eingraviert, die die Vorgänge der Deportationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschreiben und die von Besuchern oder Passanten eher beiläufig entdeckt werden sollen. Viele Menschen werden diesen Ort nicht bewusst – also des Gedenkens wegen – aufsuchen, sondern ihn als Passanten des Grüngürtels mehr zufällig erleben.

Über das Jüdische Museum können Gruppenführungen für die Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle reserviert werden. Die Gruppen müssen zuvor namentlich feststehen und sich vor dem Besuch flughafenähnlichen Kontrollen durch die EZB-Security unterziehen An Wochenenden sollten – nach dem Willen der EZB – keine Führungen stattfinden, da das Wachpersonal frei habe. WETZLAR ERINNERT e.V. bietet aber bewusst an Wochenenden seine Gedenkstättenfahrten an, um Erwerbstätigen eine Beteiligung zu ermöglichen / zu erleichtern.

Deshalb wurde auf der Mitgliederversammlung des Vereins am 31.05.2016 der Vorstand beauftragt, dem OB der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, und dem EZB-Vorstand – trotz der berechtigten Sicherheitsbedürfnisse der EZB – unser Anliegen zu schildern, auch an Wochenendtagen einen Zugang zu dieser Erinnerungsstätte zu ermöglichen. In Antwortschreiben der beiden wurde uns versichert, dass die EZB dabei sei, mit dem Jüdischen Museum nach Lösungen zu suchen. Seit Ende 2016 gibt es nun an bestimmten Wochenenden immerhin öffentliche Führungen.

Wir meldeten hierzu eine 15-köpfige Gruppe an, die einer Führung am 11. Juni 2017 zugeteilt wurde. Diese Führung wurde anlässlich des Jahrestages der letzten von drei großen Massendeportationen im Jahre 1942 am 11. Juni durchgeführt.  Die anderen Großdeportationen erfolgten am 8. Und 24. Mai 1942. Geleitet wurde diese Führung von Jürgen Steinmetz. In unserer Gruppe befand sich auch das Ehepaar Gisela und Manfred Jäckel. Gisela – Ehrenmitglied von WETZLAR ERINNERT e.V.  – galt nach den NS-Rassegesetzen als »Halbjüdin«, ihre Großeltern (Josef und Berta Lyon) und ihre Mutter (Rosa Best) wurden über die Frankfurter Großmarkthalle in die Massenvernichtungslager verschleppt. Ihre Großeltern gehörten zu den 1.000 Menschen, die man schon am 19. Oktober  1941 bei der ersten Deportation verschleppt hatte. Es handelte sich zumeist um wohlhabendere Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem Frankfurter Westend. Das Finanzamt konfiszierte deren Hausrat und Wohnungen, um sie der »arischen« Bevölkerung anzubieten zu können. Im Kellergewölbe der Großmarkthalle mussten sie vor ihrem Tod mit tausenden anderen Juden ein grausames Prozedere über sich ergehen lassen, welches Jürgen Steinmetz nun den Teilnehmer/-innen schilderte:

Bis zu 1.200 Menschen wurden in einem 400 qm großen Kellerraum zusammengepfercht, nachdem sie zuvor einer Leibesvisitation unterzogen und registriert wurden. Sie hatten die ihnen noch verblieben Wertsachen, Schmuck und Geld abzugeben, zuletzt ihre Wohnungsschlüssel, wenn sie aus Frankfurt kamen. Außerdem hatten sie eine Fahrkarte der Deutschen-Reichsbahn von 50 RM pro Kopf für den Transport in die Lager zu kaufen. Den Fahrkartenverkauf tätigte das von den Nazis gegründete Reiseunternehmen »Kraft durch Freude«. Für die, die diesen Betrag nicht aufbringen konnten, musste die jüdische Gemeinde zahlen.

Denjenigen, die ihren letzten Wohnsitz anderenorts besaßen, hatte man schon dort die Schlüssel abgenommen. Den Weg vom Frankfurter Hauptbahnhof mussten diese Menschen zu Fuß in das Ostend zur Großmarkthalle zurücklegen. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel war zwischenzeitlich Juden untersagt. Sie mussten über die Gleisrampe in das Kellergewölbe der Großmarkthalle gehen, auf der tagsüber die Anfuhr von Lebensmitteln und Tieren in Güterwagons erfolgte. Der normale Geschäftsbetrieb in der Markthalle ging weiter. Kinder wurden von den Erwachsenen getrennt. Frauen, die sich dagegen verwahrten, wurden geschlagen. Ihre Schreie müssen in den Markthallen zu hören gewesen sein. Die abfahrenden Deportationszüge fuhren nachts, um den üblichen Geschäftsbetrieb in der Großmarkthalle nicht zu stören.

Ergänzt wurde die Fahrt mit einer Gruppenführung im  Museum Judengasse
Juden gehörten wahrscheinlich bereits zu den ersten Bewohnern Frankfurts. Ihre erste urkundliche Erwähnung stammt vom 18. Januar 1074. Im 14. Jahrhundert beschloss der Frankfurter Stadtrat, dass die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht mehr innerhalb der Stadtmauer wohnen durften. Auch schon zuvor kam es immer wieder zu Anfeindungen, sowie pogromartigen Verfolgungen und Morde, wie der »Judenschlacht« von 1241.

Die Frankfurter Judengasse war das von 1462 bis 1796 bestehende jüdische Ghetto in Frankfurt am Main. Es war das erste und eines der letzten seiner Art in Deutschland im 19. Jahrhundert. In der frühen Neuzeit lebte hier die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. Die ersten Häuser wurden von der Stadt gebaut und danach an in die Bewohner verkauft. Später bauten die Menschen ihre Häuser selbst. Auf engstem Raum wurden hier bis zum 18. Jahrhundert rund 3.000 Menschen. Am 14. Januar 1711 wurde die Judengasse völlig zerstört. Für den Wiederaufbau der Gasse erließ der Rat strenge Bauvorschriften. Die erhaltenen Bauzeichnungen erlauben heute eine recht gute Rekonstruktion der alten Judengasse.

Nach der Aufhebung des Ghettozwanges wurde die Judengasse ein Armenviertel und verfiel zusehends. Ende des 19. Jahrhunderts wurden daher fast alle Häuser abgerissen. Die an ihrer Stelle angelegte Börnestraße blieb ein Zentrum jüdischen Lebens in Frankfurt, da sich hier die liberale Hauptsynagoge und die orthodoxe Börneplatz-Synagoge befanden. Nach deren Zerstörungen während der Reichspogromnacht ist der Verlauf der ehemaligen Judengasse im heutigen Straßenbild Frankfurts kaum noch erkennbar.

Beim Wiederaufbau der, durch die Luftangriffe zerstörten Frankfurter Innenstand wurde die Kurt-Schumacher-Straße als autofreundliche Nord-Süd-Verbindung gebaut. Dabei ist eine ganz neue Stadtlandschaft geschaffen worden, die den leicht gekrümmten Verlauf der ehemaligen Judengasse völlig überdeckt. Der Verlauf der heutigen Straße »An der Staufenmauer« entspricht in etwa ihrem nordwestlichen Ende. Und der östlich von der Judengasse errichtete jüdische Friedhof existiert noch.

In den ersten Jahrzehnten der Frankfurter Nachkriegsgeschichte werden die Verbrechen an den Juden währen der NS-Zeit ignoriert, vertuscht, verschwiegen. Damit auch das jüdische Leben zuvor in dieser Stadt. Erst Mitte der 1980er Jahre entwickelt sich ein Geschichtsbewusstsein, mit dem die kritische Aufarbeitung der Stadtgeschichte verlangt wird.

Beim Bau eines Verwaltungsgebäudes werden 1987 Reste der alten Judengasse entdeckt. Der Bau des Stadtwerkegebäudes 1992 überformte auch den Standort der 1938 zerstörten Börneplatz-Synagoge. Erst nach intensiven Protesten und langer öffentlicher Debatte wird das Museum Judengasse in den Neubau integriert. Das Museum wurde in die Tiefgeschosse des Neubaus integriert. Hierbei wurden die während des Baus freigelegten Fundamente restauriert und konserviert. Mit geschickten visuellen Projektionen erhalten die Besucherinnen und Besucher eine Orientierung darüber, in welchem Teil der ehemaligen Judengasse sie sich befinden.

Epilog:
Der 11. Juni wurde zu einem der heißesten Tage 2017. Aus den Zeitzeugenberichten in der Erinnerungsstätte ist bekannt, dass es an den Tagen der Massendeportationen im Mai und Juni 1942 ebenfalls sehr warm gewesen war. Schon auf dem Freigelände der heutigen EZB in der sengenden Mittagssonne konnte man erahnen, welches Leid den betroffenen Menschen vor 75 Jahren angetan worden war. Nachdem ihnen schon ihr Hausrat genommen worden war, hatten sie sich auf diese Reise in die Ungewissheit mehrere Lagen von Unterwäsche und darüber Blusen oder Hemden, Anzüge und Mäntel angezogen in der Hoffnung, dass man ihnen das, was sie auf dem Leib trugen, nicht wegnehmen könne. Jedoch spätestens im Keller, in dem die Menschen auf ihren Abtransport in Viehwagen warten mussten, versagt einem jegliche Fähigkeit, sich überhaupt hierin 1.200 Menschen vorstellen zu können.

Rund um den jüdischen Friedhof wurden zum Andenken an die Opfer des Holocaust tausende kleiner Bronzetafeln mit den Namen der jüdischen Menschen angebracht, die ihr Leben durch die faschistische Barbarei lassen mussten. Nach unserem Besuch im Museum Judengasse suchte Gisela Jäckel einen schattigen Platz unter einem Baum. Und sie fand unter den zahllosen Bronzetafeln eine mit der Aufschrift: »Josef Lyon, 3.8.1883 - –– UNBEKANNT«. Es ist die Gedenktafel für ihren Großvater.

 
 

Fotostrecke von der Gedenkstättenfahrt nach Frankfurt

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NS Verbrechen Euthanasie

Unsere 3 GEDENKSTÄTTENFAHRT beschäftigte sich mit dem Thema Euthanasie. Sie ging am So., den 10.09.2016 zur NS-Tödungsanstalt in Hadamar für geistig und psychisch Kranke Menschen. Die Fahrt war auf 15 Teilnehmer/-innen begrenzt und wurde in PKW Gemeinschaften durchgeführt.

 
  • TREFFPUNKT 10.00 Uhr
    Parkplatz an der Bachweide

    Dillufer 40 | D 35578 Wetzlar
    Aufteilung auf PKWs
  • ANREISE 10.05 Uhr
    Abfahrt in Wetzlar
    über die B 49 Richtung Limburg
    • bis Abfahrt B 54, Richtung Rennerod
    • B 54 Abfahrt nach Hadamar
    • zur Stadtmitte Hadamar
    • den Hinweisschildern folgend
    zur Gedenkstätte
  • ANKUNFT 10.50 Uhr
    An der Gedenkstätte

    Mönchberg 8 | D 65589 Hadamar
  • PROGRAMM ab 11.00 Uhr
    Beginn der Führung

    durch Mitarbeiter der Gedenkstätte.
 
 

Die Führung dauert 3 Stunden. Sie umfasst:

  • eine Einführung, einen Rundgang durch die Räume der ehemaligen Tötungsanstalt einschließlich der »T4«-Busgarage und einen Besuch der Ausstellung und des Friedhofs.
  • TRANSFER in die Stadtmitte gegen 14:00 Uhr
  • AUSKLANG ab 14:15 Uhr
    Reflektion und Gespräche

    In nacheliegendem Café in der Altstadt
    »Rathauscafé«
    Untermarkt 7 | D 65589 Hadamar
  • RÜCKFAHRT gegen 15:45 Uhr
    nach Wetzlar

    Optional für Teilnehmer/-innen die direkt nach der Führung nach Wetzlar zurück fahren wollen schon um 14:15 Uhr
  • ANKUNFT 16:30 Uhr
    Ankunft in Wetzlar

    Parkplatz Bachweide
 
 
 

Die Tötungsanstalt Hadamar:

15.000 Menschen wurden im Rahmen der NS-Euthanasie-Verbrechen in Hadamar ermordet.

1883 nahm in Hadamar eine Korrigendenanstalt (Besserungsanstalt) ihren Betrieb auf. Aus ihr ging 1906 die Landesheilanstalt hervor. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges nutzte die Wehrmacht das Gebäude als Reservelazarett. Ende 1940 ließ die »T4«-Zentrale Umbauten in der Landesheilanstalt durchführen, um sie als Tötungsanstalt für die »T4-Aktion« einzusetzen. Eine Gaskammer, ein Sezierraum und zwei Verbrennungsöfen wurden installiert sowie eine Busgarage erbaut.

Graue Busse holten die Patientinnen und Patienten aus den »Zwischenanstalten« (Andernach, Eichberg, Galkhausen, Herborn, Idstein, Scheuern, Weilmünster, Weinsberg und Wiesloch) ab, in denen sie zunächst für einige Wochen untergebracht waren. Nach der Ankunft in Hadamar mussten die Patientinnen und Patienten in der verschlossenen Busgarage aussteigen und wurden in das Hauptgebäude geführt. Dort hatten sie sich zu entkleiden und dem Arzt vorzustellen. Dieser bestimmte anhand der mitgeschickten Patientenakte eine angeblich natürliche Todesursache für die später auszustellende Sterbeurkunde ... .

 

Das NS- Verbrechen Euthanasie

Unter Berufung auf die Lehre von der Rassenhygiene waren Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen während des Nationalsozialismus schon frühzeitig Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. So wurden sie ab Januar 1934 aufgrund des »Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« Zwangssterilisationen unterworfen. Ungefähr 400.000 Menschen erlitten bis Kriegsende dieses Schicksal, ca. 5.000 starben an den Folgen der Operationen.

Spätestens im Sommer 1939 war in der Umgebung Hitlers der Entschluss gefasst worden, geistig behinderte und psychisch kranke Menschen als »lebensunwertes Leben« zu vernichten.

Die von den Tätern als »Euthanasie« bezeichneten Morde wurden systematisch geplant. Im Rahmen unterschiedlicher Mordaktionen wie z.B.: »T4-Aktion«, »Reichsausschußkinder«, »Aktion 14f13« oder »zweite Mordphase«
verloren zwischen Herbst 1939 und Kriegsende 1945 ca. 300.000 Menschen unter der faschistischen Gewaltherrschaft ihr Leben.

 

Die Gedenkstätte:

Für die Opfer der NS-Euthanasie-Verbrechen fanden nach Kriegsende zunächst Gedenkfeiern auf dem Anstaltsfriedhof statt. 1953 weihte Dr. Friedrich Stöffler, späterer Zweiter Landesdirektor des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV), ein Relief im Haupteingang der damaligen Landesheilanstalt Hadamar ein. Es war das erste Mahnmal für NS-Euthanasie-Opfer in Deutschland. 1964 ließ der LWV als Träger des Psychiatrischen Krankenhauses Hadamar den Anstaltsfriedhof in eine Gedenklandschaft umwandeln.

Die Gründung der Gedenkstätte Hadamar, und damit der ersten deutschen NS-Euthanasie-Gedenkstätte, geht auf das Jahr 1983 zurück, als die historischen Kellerräume für Besucherinnen und Besucher geöffnet wurden. Ende der 1980er Jahre übernahm der LWV die Trägerschaft der Gedenkstätte und stattete sie mit Räumlichkeiten und Personal aus.

 

Fotostrecke Gedenkstätte Hadamar

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1 bis 5 von insgesamt 5

 

Rückblick auf die Gedenkstättenfahrt nach Stadtallendorf am 01.03.2015

Im Rahmen einer Tagesexkursion besuchten Mitglieder und Gäste des Vereins Wetzlar erinnert e.V. das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Stadtallendorf. Diese Gedenk- und Begegnungsstätte erinnert an das Schicksal von Menschen aus ganz Europa, die während der NS-Zeit zwangsweise in der Rüstungsproduktion arbeiteten. Helmut Hermann machte die Besuchergruppe aus Wetzlar mit der Stadtgeschichte von Stadtallendorf bekannt und erläuterte beim Rundgang durch die Ausstellung die damalige Bedeutung Stadtallendorfs als Munitionsschmiede des Dritten Reiches.

In zwei Sprengstofffabriken wurden Granaten befüllt und später auch der Treibstoff für die V-Raketen produziert. Dass man diese Anlagen in einem dichten Waldgebiet vor den Alliierten zu verstecken können glaubte, erwies sich als Trugschluss. Gegen Kriegsende wurde massiv aus der Luft bombardiert. Weil die wehrfähigen deutschen Männer ab 1940 überwiegend an der Front eingesetzt waren, mangelte es während des Krieges an Arbeitskräften. Zunächst wurde mit Häftlingen aus umliegenden Gefängnissen und Konzentrationslagern »aufgefüllt«, auch wurden aus dem bis 1943 mit Deutschland verbündeten faschistischen Italien »Fremdarbeiter« angeworben.

Mit den Eroberungsfeldzügen im Osten ging die Verschleppung von Zivilisten aus den besetzten Gebieten einher. Insgesamt wurden ca. 17.000 Menschen in den Sprengstoff-Fabriken von Allendorf zur Zwangsarbeit eingesetzt. Das Lager Münchmühle bei Allendorf fungierte als Außenlager des KZ Buchenwald. Allein hierhin wurden rund 1000 Menschen – darunter halbe Kinder - verschleppt. Sie mussten in den Sprengstoff-Fabriken schwerste körperliche Arbeit  im Zweischichtensystem von jeweils 12 Stunden an 7 Tagen in der Woche verrichten. Durch den Umgang mit Phosphor wurde die Haut der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gelb gefärbt. Dennoch empfanden die mehrheitlich weiblichen Arbeitssklaven diese Lebensbedingungen als im Vergleich zu Auschwitz »paradiesisch«, wie in einem Zeitzeugeninterview von einer Ungarin zu erfahren war: »Die Verpflegung war besser und aufgrund des Umgangs mit  den gesundheits-schädlichen Füllstoffen wurde tägliches warmes Duschen verordnet.«

Im März 1945 – also vor 70 Jahren – wurde das Lager von der SS geräumt und die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden per Fußmarsch evakuiert. Mit dürftiger Kleidung und schlechtem Schuhwerk versehen, ging es bei kaltem Wetter die 35 km  bis nach Leinsfeld. Dort wurde die Gruppe von den Amerikanern befreit.

Zum Schluss besichtigten die Mitglieder und Gäste von Wetzlar erinnert e.V. die Ausstellung »Kein Kinderspiel«. Es geht um Kinder im Holocaust, um ihre Kreativität und ihr Spiel. Diese von der zentralen Holocaust-Gedenkstätte in Israel (Yad Vashem) erstellte Wanderausstellung zeigt das Leben von jüdischen Kindern in Ghettos und Konzentrationslagern während der NS-Zeit.

 
 
Mitglieder und Gäste des Vereins Wetzlar erinnert vor dem DIZ

Mitglieder und Gäste des Vereins Wetzlar e.V. erinnert vor dem Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) in Stadtallendorf

 
Modell des KZ-Außenlagers Münchmühle

Das Lager Münchmühle war ein Außenlage des KZ-Buchenwald. Hier wurden rund 1.000 Männer und Frauen als Arbeitssklaven gefangen gehalten, die als Zwangsarbeiter/-innen in den Granatenfabriken in Allendorf eingesetzt wurden.

 
Die gelben Frauen

Das Gemälde zeigt Zwangsarbeiterinnen, deren Haut durch die Berührung mit Salpeter gelb verfärbt hat.