Naziaufkeber Mai 2016 in Wetzlar, Bild: J. Schaefer
vom 04.06.2016

Protest gegen Aufkleber mit rechter Hetze

Am Sa., 04.06.2016 fand in Wetzlar eine Aktion von Wetzlarer Bürgerinnen und Bürgern zur Beseitigung von Naziaufklebern statt. Treffpunkt ist die Straßenecke Vollpertshäuser Straße, Taunusstraße - Ulandstraße. Die Aktion wurde als ein Projekt gesellschaftlichen Engagements zur Demokratiestärkung aus Mitteln des Programms DEMOKRATIE LEBEN gefördert.

Rund 25 Personen fanden sich am Sa., 04.06.2016 in der Wohnstadt unterhalb des Krankenhauses an der Ecke Taunusstraße Ecke Volperthäuser Straße zusammen, um Naziaufkleber, die eine Woche zuvor in der ganzen Stadt geklebt worden waren, zu entfernen. Gerade genug für die kurzfristig einberaumte Aktion, um in 5 Gruppen mit geeigneten Geräten, Wassereimern und Müllbeutel die Aufkleber in der Umgebung zu entfernen. Außerdem waren Mitarbeiter der Stadtreinigung und des Gartenbauamtes gekommen, um bei der Reinigungsaktion professionell zu beraten, wie man mit dem richtigen Gerät die Aufkleber entfernt.

Aufgerufen zu dieser Initiative hatte die Bürger/-inneninitiative Wetzlar BUNT statt BRAUN und der Verein WETZLAR ERINNERT e.V. hatte eine entsprechende kleine Kundgebung angemeldet und das Reinigungsequipement besorgt. Unterstützt wurde die Aktion durch:

  • Oberbürgermeister Manfred Wagner
  • Peter Klingelhöfer (Leiter der Polizeistation Wetzlar)
  • Superintendendin Ute Kannemann (Ev. Kirche, Kirchenkreis Wetzlar)
  • Superintendent Roland Rust (Ev. Kirche, Kirchenkreis Braunfels)
  • Arne Beppler (DGB-Kreisvorsitzender Lahn-Dill
  • Dirk Fellert (Demokratie leben, federführendes Amt, Magistratsbüro Wetzlar)

Auf die Naziaufkleber hatte Joachim Schaefer von der Katholischen Domgemeinde knapp eine Woche vorher aufmerksam gemacht. In Büblingshausen und rund um das Europabad wurde schon eine Vielzahl von Aufklebern wieder entfernt. Mit der Aktion wollte Bündnis Wetzlar BUNT statt BRAUN öffentlich darauf aufmerksam machen, das man mit Bürgerschaftlichen Engagement dafür Sorge leisten kann, dass man dieser menschenfeindlichen und rassistischen Agitation etwas entgegen setzen kannn.

Oberbürgermeister Wagner dankte Ernst Richter von Wetzlar BUNT statt BRAUN die Initiative und blickte besorgt auf die »vermeintlichen Demokraten«, die mit ihren Angriffen gegen ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger – wie jüngst die Beleidigung von Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng durch AfD-Vize Gauland – ausreizen würden, wie weit sie gehen könnten. Es sei nicht verwunderlich, dass sich diejenigen, die für diese Aufkleber verantwortlich seien, in ihrer Haltung bestätigt fühlten, Hatz zu machen auf Ausländer in unserer Stadt. Wagner erinnerte daran, dass teilweise seit mehreren Jahrzehnten mehr als 6.500 Migrantinnen und Migranten aus 114 unterschiedlichen Nationen in Wetzlar wohnen. »22 Prozent unserer Stadtbevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Das zwischenmenschliche Miteinander ist von gegenseitigem Respekt geprägt. Und das soll auch so bleiben!

Pfarrerin Ute Kannemann (Superintendentin der Ev. Kirche für den Kirchenkreis Wetzlar) verwies auf dass vielseitige ehrenamtliche Engagement zahlreicher Menschen für die im letzten Jahr bei uns angekommenen Flüchtlinge. Man habe versucht eine Willkommenskultur aufzubauen. Diese Aufkleber seien ein Schlag ins Gesicht der Flüchtlingshelfer. Kannemann plädierte für Vielfältigkeit als Bereicherung unserer Gesellschaft und für Solidarität bei der Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

Der Leiter der Wetzlarer Polizeistation, Peter Klingelhöfer, verwies darauf, dass von dem Menschen- und Gesellschaftsbild, für das auf diesen Aufklebern geworben wird, schlimmste Verwerfungen im gesellschaftlichen Miteinander ausgehen können. Wer das nicht glaube, sollte mal das Angebot der historischen Stadtführung wahrnehmen und den »Weg der Erinnerung« gehen. Klingelhöfer informierte die Anwesenden darüber, dass die Polizei zwei der Täter stellen konnte. Dank eines aufmerksamen Bürgers, der die Polizei informierte konnten die Beiden, die vergeblich flüchten wollten, dingfest gemacht werden. So seien zwar rund 1000 Spuckis verklebt worden, aber seine gute Nachricht sei:  »Die anderen 1.000 haben jetzt wir!«. Er rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die 110 zu wählen, wenn sie derartige Ativitäten beobachten.

Danach erklärte Ernst Richter die Utensilien, die zur Entfernung der Aufkleber besorgt und genutzt werden können und dankte Herrn Fellert vom Magistratsbüro der Stadt Wetzlar für die Idee, die Entfernaktion als ein Projekt gesellschaftlichen Engagements zur Demokratiestärkung aus Mitteln des Programms DEMOKRATIE LEBEN zu fördern. In fünf Gruppen zogen nun die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, um in den umliegenden Straßen der Wohnstadt die restlichen Aufkleber zu entfernen. Die Mitarbeiter der Straßenreinigung führen hingegen die Bushaltestellen rund um das Krankenhaus ab und entfernten ebenfalls entsprechende Aufkleber. Währenddessen verteilten andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Bürgerinfo zu der Aktion in den angrenzenden Wohnhäusern.

→ Bilder von der Aktion am 04-06-2016

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