vom 08.01.2016

Mahnen, Erinnern und Gedenken - 70 Jahre 8. Mai – Tag der Befreiung

Mahnkundgebung vor dem Dom

Bericht von Klaus Petri
Ihrer Freude über den 70. Jahrestag des Endes von Krieg und Nazi-Terror haben Abends am 08.05.2015 rund 60 Menschen mit einer Kundgebung vor dem Wetzlarer Dom Ausdruck verliehen.

Als Zeitzeugen berichtete das Wetzlarer Ehepaar Jäckel, wie sie persönlich die „Stunde Null“ erlebt haben: „Meine Mutter und meine Großeltern waren bereits in Auschwitz umgebracht worden. Der Einmarsch der Amerikaner rettete mir das Leben, weil ich als ‚jüdisches Mischlingskind‘ auch noch hätte ermordet werden sollen“, erinnert sich Gisela Jäckel. Ihr Mann Manfred ist Geburtsjahrgang 1929 und wurde als Jugendlicher noch „gezogen“. Den anwesenden jungen Leuten rief er zu: „Seid wachsam. Lasst so etwas nie wieder zu!“. Heidi Janina Stiewink erinnerte an das Schicksal des Wetzlarer Bürgers Jakob Sauer, der kurz vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen auf Geheiß von NSDAP-Kreisleiter Wilhelm Haus von Volkssturmleuten am Portal des Friedhofs an der Bergstraße gelyncht wurde.

Diakon Harald Würges und der katholische Pastoralreferent Joachim Schäfer kommentierten als ‚Optimist‘ und ‚Nörgler‘ 70 Jahre deutsche Nachkriegsgeschichte. Der Optimist fand: „Uns geht’s doch gut. Die Geschichte haben wir hinter uns gelassen. Nörgler Schäfer hielt ihm von der Dom-Balustrade viele Missstände entgegen, die zu denken gaben.

Musikalisch wurde die Kundgebung von Horst Christill am Harmonium begleitet. Gemeinsam mit dem Wetzlarer Dom-Chor sang man zum Abschluss das Friedenslied „Blowing in the Wind“ in deutscher Sprache.

Im Internet hatte es aus der rechten Ecke Drohungen gegen die Kundgebung gegeben, informierte Harald Würges.

 

 
 

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