Preisverleihung 2018
Preisverleihung 2018
vom 12.03.2018

Lina-Muders-Preis an Dr. Elisabeth Knell vergeben.

2018 ging der von der SPD ausgelobte Preis für Zivilcourage und demokratisches Engagement an die Ärztin für ihr Engagement für Flüchtlinge.

Am 12. März verlieh der SPD-Stadtverband den Lina-Muders-Preis an Frau Dr. Elisabeth Knell. Für den Preis, de einmal pro Jahr vergeben wird, können Einzelpersonen, Gruppen, Schulklassen, Vereine und Verbände sowie Kirchengemeinden können zur Vergabe des Lina-Muders-Preises vorgeschlagen werden, wenn sie sich insbesondere in den der jeweiligen Auslobung des Preises vorangegangenen 12 Kalendermonaten durch Aktivitäten im Sinne dieser Richtlinien hervorgetan haben.D.h.: »sich für ein tolerantes Miteinander sowie gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Diskriminierung« einsetzen. Der Preis wird durch eine Jury ausgelobt. 

Die Laudatio von Sandra Ihne-Köneke nachfolgend im Wortlaut:

»Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde,
sehr geschätzte Dr. Ingrid Knell,
sehr geschätzter Herr Knell!

2015 kamen innerhalb weniger Monate 850 Menschen in das Camp in der Spilburg. Viele kamen aus Syrien, viele kamen aber auch aus anderen Ländern. Sie flohen vor Krieg, Elend und Perspektivlosigkeit. Alle hatten eine lange Reise hinter sich, viele mit Gefahren und für uns wahrscheinlich kaum vorstellbaren Strapazen. Diese Menschen brauchten Hilfe. Sehr viele Haupt- und Ehrenamtliche kümmerten sich um Notunterkünfte, Essen, Kleidung und vieles mehr. Die ärztliche Betreuung blieb zum Eintreffen der ersten Flüchtlinge ein großes Problem.

Für dich Ingrid war gleich klar, du willst als Präsidentin des DRK-Wetzlar, den Statuten des Gründers Andre Dunant folgen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist demnach die Hilfe für Kriegsopfer und Flüchtlinge ohne Ansehen von Nation und Religion.

Du hast dich bewusst entschieden ehrenamtlich zu arbeiten, dein Fachwissen einzusetzen, ohne ein Honorar in Rechnung zu stellen.

Als Betriebsäztin in einem großen Weltkonzern mit einer 40 jährigen Berufserfahrung waren dir Krankheiten aus fernen Ländern und anderen Kulturkreisen bekannt. Mitarbeiter brachten von ihren Auslandaufenthalten alle möglichen Krankheiten mit. Berührungsängste hattest du nicht.

So fühltest du dich den ärztlichen Aufgaben im Flüchtling-Camp gewachsen.

Mit deiner Zuversicht und Begeisterung hattest du schnell den DRK Geschäftsführer und andere ehrenamtliche junge Leute auf deiner Seite. Nach nur eineinhalb Wochen war die Erlaubnis vom Regierungspräsidium da, Sprechstunden im Camp abzuhalten. Die ersten Flüchtlinge waren da schon 3 Wochen im Camp.

Offiziell hast du zweimal in der Woche eine Sprechstunde gehalten. De facto waren es viel mehr. Schnell folgten dir weitere Ärzte erst 4, später ward ihr 14 ehrenamtliche Ärzte. Der TV-Wetzlar bot euch Räumlichkeiten an um Sprechstunden dort abhalten zu können. Zu der ersten Sprechstunde kamen 100 Menschen. Die Verständigung klappte sicherlich nicht nur auf Grund der Dolmetscher, sondern weil du jedem Menschen offen, wertschätzend und empathisch entgegengekommen bist.

Freitags hast du eine Sprechstunde nur für Frauen und Kinder gehalten. Dafür stand dir ein DRK-Mobil, ein umgebauter Wohnwagenanhänger zur Verfügung. Diese Sprechstunden waren dir wichtig, damit die Kinder und Frauen offen ihre Beschwerden äußern und du ihnen helfen konntest.

Du hast eine großartige Zivilcourage gezeigt und ein unermesslichen Beitrag für Menschlichkeit erbracht.

Der Landesehrenbrief an dich im August 2016 war eine sehr verdiente Anerkennung an dich. Ebenso die Anerkennung „Menschen des Respekts“ im Jan. 2018. Im Rahmen der Respektkampagne wurdest du von Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner für dein ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe ausgezeichnet.

Am 11.07.2016 wurdest du liebe Ingrid zur Vorsitzenden des Wetzlarer Interkulturellen Rats gewählt.

2009 wurde die Stadt Wetzlar für das Förderprogramm „Modellregion Integration“ ausgewählt. Ziel ist es ein Motor für die Integrationsarbeit im Land Hessen zu sein. Das heißt die Stadt Wetzlar hat Vorbildfunktion, mit sieben anderen weiteren Kommunen und Kreisen.

Die Integration ist kein einseitiger Prozess und erfordert sowohl die aktive Mitarbeit von Menschen mit Migrationshintergrund als auch die Öffnung der Stadtgesellschaft.

In dem »Handlungskonzept zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund« wurde empfohlen einen Rat für Integration für die Stadt Wetzlar einzurichten. Durch die hohe Zahl der geflüchteten Menschen in Wetzlar ist es noch sinnvoller die viele Angebote hinsichtlich der Integration zu bündeln und an alle relevanten Akteure zu streuen. Doppelstrukturen können besser vermieden werden und Synergien können bei der Umsetzung von Projekten erzielt werden. Ein funktionierendes Netzwerk ist die Grundlage für eine nachhaltige Integrationsarbeit. Alle Ämter sind gefordert, Integration in ihren Handlungsfeldern zu berücksichtigen. Der Rat kann der Verwaltung helfen diese Querschnittsaufgabe zu bewältigen. Ebenso wird die Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund erhöht durch das »Tätig sein« im Interkulturellen Rat.

Dem Rat gehören 28 Delegierte an, Kirchenvertreter, Glaubensgemeinschaften, Kommunalpolitiker und Vertreter für Migranten- und Kulturvereine. Du leitet die Sitzungen charmant und souverän, bist Ansprechpartnerin für die vier Arbeitsgruppen, die gebildet worden sind, bist Juryvorsitzende für den Integrationspreis der Stadt Wetzlar und arbeitest eng mit dem WIR Koordinator und Geschäftsführer des Ausländerbeirat zusammen. Keine leicht Aufgabe, denn du musst oft widerstreitende Interessen bündeln und zusammenführen.

Eine deiner ersten Aktionen war, dass der WIR Rat sich an der Demonstration gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten am 07.10.2016 beteiligte.

Dir geht es um die Überwindung von Hass, Ausgrenzung, Unterdrückung, Gewalt, Rassismus, Fanatismus und Intoleranz. Du förderst den interkulturellen Austausch im WIR-Rat, initiiert Feste und mit deiner Unterstützung wurde es möglich, dass muslimische Bürger/innen mit Christen sich einen Gebetsraum teilen im Klinikum.

Der Dialog der Austausch, die Begegnung, das Kennen lernen, kulturelle Veranstaltungen sind für dich wichtig um Barrieren in den Köpfen und Herzen der Menschen zu überwinden. Unermüdlich setzt du dich für Sprach- und Bildungsangebote ein, sowie du nicht müde wirst zu betonen, dass im Angesicht des Todes, in Krankheit und Leid alle Menschen gleich sind und eine würdevolle Behandlung brauchen.

Liebe Ingrid du bist eine Bereicherung für die ganze Stadtgesellschaft. Und für mich ganz persönlich. Durch dein großartiges Engagement förderst du das friedliche, gute und respektvolle Miteinander der verschiedensten Kulturen.

Danke dir!«

 
 

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