vom 03.11.2017

Konzert »la vita continua« am 03.11.2017 in Haiger

Die Kölner Rapper » Microphone Mafia« wollen gemeinsam mit der Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano (geb. 1924) in Haiger auftreten.

Orient trifft Okzident, die Jüdin den Moslem, die Atheistin den Christen, Süd trifft Nord, alt trifft jung, Frau trifft Mann, Tradition trifft Moderne, Folklore trifft Rap, Hamburg trifft Köln, ausdrucksstarke Stimmen treffen auf geniale Musiker, Spannung trifft auf Harmonie, Herz trifft Verstand, die Familie Bejarano trifft Microphone Mafia – und alle arbeiten gleichberechtigt nebeneinander. 

Esther Bejarano ging durch die Hölle von Auschwitz und Ravensbrück, wird 1943 in das KZ Auschwitz verschleppt. Dort spielt sie als 15jährige im Mädchenorchester. Sie muss morgens und abends den Zug der Arbeitskolonnen musikalisch »begleiten«, später die Zugtransporte mit den ankommenden Häftlingen »begrüßen«. Sie wird dann ins KZ Ravensbrück verlegt. Von dort auf den Todesmarsch geschickt, gelingt ihr die Flucht. Esther ist Ehrenvorsitzende der VVN/BdA und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Doch ihre Kinder Edna und Joram konnten und können den ungebrochenen Antisemitismus in der bundesdeutschen Mehrheitsgesellschaft am eigenen Leibe spüren.

Seit vielen Jahren treten die Bejaranos mit zwei anderen Musikern als Gruppe »Coincidence« auf. Ihr Programm »Lider far´s Leben« besteht zu einem Teil aus Liedern in jiddischer Sprache, die in den Ghettos und KZs entstanden sind. Darin drückt sich Esther Bejaranos Herkunft, Geschichte und Selbstverständnis als Jüdin aus. Der zweite Teil des Programms beschäftigt sich mit der Gegenwart: Ausgrenzung, Rassismus, Gewalt und Krieg werden anhand von Stücken von Bertold Brecht, Nazim Hikmet oder Mikis Theodorakis thematisiert.

Die Texte werden im Original vorgetragen, mindestens acht Sprachen – neben deutsch – bringen die beiden Bejarano-Frauen bei ihren Auftritten zu Gehör: jiddisch, hebräisch, ladino, russisch, romanes, türkisch, griechisch und englisch, manchmal kommt noch spanisch oder italienisch dazu. Damit wollen sie ihr Verständnis von Völkerfreundschaft und –verständigung ausdrücken. Rosario Pennino, Kultu Yurtseven und Önder Bardakci sind typische »Jugendliche mit Migrationshintergrund«: aufgewachsen im Kölner Arbeiterviertel wurden und werden sie zeitlebens mit Rassismus konfrontiert. Ihre Erfahrungen verarbeiten sie in ihren Musikstücken.

Seit zwanzig Jahren sind sie als Microphone Mafia unterwegs und rappen auf türkisch, neapolitanisch und Kölsch. In das Projekt »Per La Vita« – Für das Leben – fließen sehr unterschiedliche Erfahrungen ein. Diese unterschiedlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit brachten die Bejaranos und die Microphone Mafia in der Gegenwart zusammen, um sie mit anderen zu teilen, aus ihnen zu lernen und gemeinsam für eine bessere Zukunft einzutreten. »Bei dem Projekt prallen Welten aufeinander. Und dieser Aufprall soll die Menschen wachrütteln«, kommentiert Kutlu Yurtseven das Projekt. 

Örtlicher Veranstalter wird das Bündnis Haiger gegen Rechts - Vielfalt statt Einfalt e.V. sein. Der genaue Veranstaltungsort und andere Details werden noch bekannt gegeben.

Die Bilder stammen vom Auftritt der Bejeranos mit der Microphone-Mafia am 16.06.2011 in Gießen vor dem Gewerkschaftshaus © Fotos: Ernst Richter.

 
 

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