vom 28.03.2016

Gedenktafel zum »Jüdischen Ghetto« in der Jahnstraße

In der Jahnstraße wurden 1942 die noch in Wetzlar lebenden jüdischen Menschen ghettoisiert, bevor sie in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. An dem heutigen Wohnhaus der GEWOBAU ist eine Gedenktafel angebracht worden, um an die historischen Ereignisse zu erinnern.

1939 konzentrierte man die nach den Nürnberger Rassegesetzen als »Volljuden« bezeichneten Menschen auf mehrere »Judenhäuser« in der Stadt. Im März 1942 existierten in Wetzlar fünf davon. Dennoch lebten viele Juden auch noch in Einzelhäusern im Stadtgebiet verteilt. Von den 34 verbliebenen Juden wurden 25 im April 1942 in einer Baracke im Vorort Niedergirmes zusammengepfercht, während das Reichsfinanzamt das Inventar ihrer zurückgelassenen Wohnungen in der Gaststätte »Zum Bräustübl« /Am Eselsberg) versteigerte.

Das »Sammellager Niedergirmes« in der Jahnstraße 3 war eine zusätzliche Stufe der Internierung. Die erste Deportation mit 24 Juden vom Wetzlarer Bahnhof aus erfolgte am 10. Juni 1942. Hinzu kamen 75 jüdische Bürger aus dem Landkreis. Es handelte sich dabei ausschließlich um »Volljuden«. Der Zug brachte sie zunächst nach Frankfurt am Main und dann in Richtung Lublin, wo sie in den Lagern Majdanek und Sobibor umgebracht wurden.

Der zweite Transport mit den übrigen zehn Wetzlarer »Volljuden« und weiteren 24 aus dem Kreisgebiet war für den 28. August 1942 festgelegt worden. Dieser führte über eine Zwischenstation in Frankfurt nach Theresienstadt. Zumindest eine Jüdin aus Wetzlar wurde von dort aus ins Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Emilie Stern ist die vermutlich einzige Deportierte aus Wetzlar, die ihre Verschleppung überlebte. Sie wurde am 8. Mai 1945 aus dem KZ Theresienstadt von der Roten Armee befreit.

Nach der Verschleppung aller »Volljuden« lebten in der Stadt nur noch neun Juden »in privilegierter Mischehe mit Ariern«, darunter auch eine Witwe. Nur im Gau Hessen-Nassau erfolgte im Jahr 1943 schon die Verschleppung dieser Juden. Sie wurden einzeln deportiert, unter anderem in das Konzentrationslager Auschwitz. Ende selben Jahres war Wetzlar somit offiziell »judenfrei«. Die Verbliebenen, von den Nationalsozialisten als »jüdische Mischlinge« bezeichneten Menschen wurden herabgewürdigt und in vieler Hinsicht benachteiligt.

Auch deren Verschleppung war schon vorbereitet, aber 1945 nicht mehr vollzogen worden, nachdem die US-Amerikaner Wetzlar vom Faschismus befreit hatten.

Standort:
Jahnstraße 3 | 35578 Wetzlar-Niedergirmes

 
 

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