vom 25.01.2016

Die vergessenen Geschichten

Jugendliche aus Oberscheld haben 2013 in einem Dialog mit Dorfbewohnern der Generation ihrer Großeltern „Die vergessenen Geschichten Oberschelds“ zusammengetragen.

Ort:
Oberscheld
(heute Stadtteil von Dillenburg)

Zielgruppe:
Jugendliche aus Oberscheld im Dialog mit Dorfbewohnern der Generation ihrer Großeltern

Kurzbeschreibung:
Der „Jugend-Arbeits-Kreis-Oberscheld“ – JAKOb e.V. hat 2013 gemeinsam mit Jugendlichen und älteren Menschen des Dorfes einige der „vergessenen Geschichten“ von 1933-1945 (wieder)entdeckt. Dazu wurden in Kooperation mit dem Fotoclub und dem Seniorentreff Oberscheld:

  • nach alten Bildern gesucht,
  • nach Dokumenten in den Archiven des Hessischen Hauptstaatsarchivs, Wiesbaden und beim International Tracing Services, Bad Arolsen recherchiert,
  • Interviews mit Oberschelder Zeitzeugen geführt.

Die Ergebnisse dieser Gespräche und der Recherchen wurden in der Broschüre „Die vergessenen Geschichten Oberschelds“ zusammengeführt.

Hintergrundinformationen:
Die zahlreichen Gruben und der Hochofen waren bis in die späten 1960er Jahre wesentlicher Bestandteil des alltäglichen dörflichen Lebens in Oberscheld. Für die meisten Menschen im Ort gab es nur die berufliche Option, in der Landwirtschaft oder im Bergbau eine Arbeit zu finden. Bis heute prägt die Phase des Bergbaues das kollektive Gedächtnis des Dorfes.

Die Aktivitäten vieler Vereine sorgen dafür, dass die Zeit der Gruben und des Hochofens auch heute im Gedächtnis bleibt und von Generation zu Generation überliefert wird.

Daneben existieren Bilder, Dokumente und mit ihnen verbundene Geschichten, die keinen Eingang in die öffentlichen Erzählungen des Dorfes gefunden haben. Geschichten, die nur im persönlichen Gespräch oder ab und an „am Küchentisch“ zu hören sind:

Es sind die Erzählungen vom z.T. dramatischen Wandel des Dorflebens und vom drohenden Niedergang des Bergbaus Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre, von einer Friedrich-Ebert-Büste auf dem Ortsberg, von der wachsenden Bedeutung der NSDAP im Ort und von ihren großen Wahlerfolgen. Damit verbunden ist es auch die Geschichte von Hunderten von Menschen, die am Hochofen und in den Gruben um Oberscheld ab Anfang der 1940er Jahre Zwangsarbeit leisten mussten.

Einfach habe man es sich nicht gemacht, sagte Reiner Becker von JAKOb: „Bis zuletzt hatten wir Bedenken und haben uns gefragt, ob das Projekt auf Ablehnung trifft, wie das Dorf darauf reagiert, wenn ein kleiner Verein sich solch einem Thema widmet, und was passieren könnte.“ Auch habe man sich gefragt, ob jemand bereit sei, „seine“ Erlebnisse zu schildern. Aber weder die Nachfragen bei den Senioren noch das Projekt selbst seien auf Ablehnung gestoßen.“

Vielmehr sei in den Interviews deutlich geworden, dass die Gesprächspartner über diese Zeit und ihre Erlebnisse sprechen wollen und mehr zu erzählen haben, als bisher erfasst werden konnte. „Wir waren überrascht, dass die Bereitschaft zu erzählen sehr groß war und ist. Wir hörten viele Geschichten, von denen wir dachten, sie seien vergessen, aber das sind sie nicht. Wir haben viel über die Opfer des Nationalsozialismus in Oberscheld erfahren, aber vor allem über die Zwangsarbeiter im Ort.

Wie geht es weiter mit den „vergessenen Geschichten Oberschelds“? Im „JAKOb's Cafe“ sammelten Besucher an Thementischen Ideen. Denkbar sei, ein Netzwerk zu gründen und das Projekt weiterzutragen, als eine Art Leitfaden für andere, um die Geschichte von 1933 bis 1945 aufzuarbeiten.“Erzählspaziergänge“, bei denen die Erlebnisse erzählt und weitergetragen werden, und offene Erzählnachmittage waren Vorschläge. Es gab auch die Idee, in Oberscheld noch lebende ehemalige Zwangsarbeiter einzuladen.

Projektzeitraum:
2013

Projektträger:
Postanschrift

Jugend-Arbeits-Kreis-Oberscheld
c/o Moritz Hecker
Bergstraße 4a
35688 Dillenburg-Oberscheld

E-Mail Kontakt:
info@projekt-jakob.de

Homepage:
http://www.projekt-jakob.de/

Informationsmaterial:
„Die vergessenen Geschichten Oberschelds“
Die 115 Seiten starke Broschüre, in der die Ergebnisse der Arbeit des Jahres 2013 zusammengefasst wurden, kann über den
Jugend-Arbeits-Kreis-Oberscheld bezogen werden.

 
 

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