Mahnwache auf dem Eisenmarkt
Mahnwache auf dem Eisenmarkt
vom 10.12.2017

10.12.2017: Internationaler Tag der Menschenrechte

Mahnwache auf dem Wetzlarer Eisenmarkt am Sonntag zwischen 17:00 und 18:00 Uhr

Trotz des nasskalten Wetters nahmen rund 80 Personen an der Mahnwache zum Tag der Menschenrechte auf dem Wetzlarer Eisenmarkt teil. Das Team von hessencam hatte kurzfristig zu der Mahnwache aufgerufen. Im Mittelpunkt stand der an dem 10.12.2017 genau seit 300 Tagen in der Türkei gefangen gehaltene Journalist Deniz Yücel, ohne dass er von den türkischen Behörden angeklagt oder verurteilt worden ist.

Zu Beginn der Mahnwache las der Pastoralreferent der katholischen Domgemeinde, Joachim Schaefer, ein Grußwort des Oberbürgermeisters Manfred Wagner vor. Wagner erklärte, dass für uns »die Menschenrechte unteilbar sind«. Wagner, selbst verhindert, dankte den Initiatoren für ihr Engagement.

Der Tag der Menschenrechte soll an die von der UN verabschiedete Charta der Menschenrechte erinnern und für diejenigen Gedenktag sein, die zu unrecht verfolgt, gefangen gehalten oder gar ermordet werden. Teammitglieder von hessencam zitierten einzelne Paragrafen der Menschenrechtscharta zwischen den Kurzbeiträgen verschiedener Politiker/-innen und Vertreter/-innen von NGOs.

Einen besonderen Blick wollten die jungen Medienmacher/-innen auf die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei werfen. »Wir möchten uns mit den inhaftierten Journalist/-innen in der Türkei solidarisieren, insbesondere mit Deniz Yücel,« heißt es in dem Aufruf von hessencam, der hier heruntergeladen werden kann. »Er ist für viele und auch für uns ein mutiges Beispiel für den Kampf um die Einhaltung der Menschenrechte – ganz konkret die Meinungs- und Pressefreiheit.

Die jungen Initiatoren/-innen hatten Yücels Schwester eingeladen und Ilkay Yücel hatte auch zugesagt, nach Wetzlar zu kommen. Allerdings haben ihr die Schneewehen auf dem Weg nach Wetzlar einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie musste kurzfristig telefonisch absagen.

Dafür übernahm MdL Mürvet Öztürk es, ein paar Worte zu Deniz Yücel zu sagen. Sie informierte die Teilnehmer darüber, dass Yücel Sohn von türkischen Migranten ist und in Hessen groß geworden sei. Bei Rüsselsheim hat er die Schule besucht und später Journalismus studiert. Er war von 2007 bis 2015 Redakteur der taz und ist seit 2015 Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe. Zudem ist er langjähriger Mitherausgeber der Wochenzeitung Jungle World.

Seit dem 27. Februar 2017 sitzt Yücel in türkischer Untersuchungshaft und wird beschuldigt, ein Terrorist zu sein. In Deutschland gab es schon zahlreiche Solidaritätsbekundungen für eine sofortige Freilassung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die türkische Regierung aufgefordert, bis zum 28. November 2017 eine Stellungnahme abzugeben. Aber seit dem Putsch in der Türkei wurden die demokratischen Grundrechte außer Kraft gesetzt. Jeder, dem Machthaber Erdogan nicht passt, wird zwischenzeitlich von der gleichgeschalteten türkischen Justiz Terrorpropaganda für die PKK bzw. für die Gülen-Bewegung vorgeworfen. Yücel sitzt in strenger Einzelhaft und darf seit kurzem nur einen Mitgefangenen treffen.

Bettina Twrsnik von der mittelhessischen Flüchtlingsinitiative wies darauf hin, dass zwischenzeitlich direkt nach den syrischen Flüchtlingen die zweitstärkste Gruppe, die um politisches Asyl in Deutschland ersucht, türkische Bürgerinnen und Bürger seien. Viele unter ihnen sind Oppositionspolitiker/-innen, Journalisten/-innen, aber auch Militärangehörige. Unter ihnen seien viele, die auf Abschusslisten stünden und sich deshalb scheuen, in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Bilder © Mohamad Osman

Filmdokumentation durch hessencam:

 
 

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