Ge(h)denken

 
 

Workshop zum Remake der Ausstellung über Zwangsarbeit in Wetzlar zur NS-Zeit

EINLADUNG zum Workshop

Gemeinsam richteten Werner-von-Siemens-Schule und WETZLAR ERINNERT e.V. am Sa., den 12. März 2016 einen Workshop aus, um mit einem Kreis von 22 Interessierten Ideen zu sammeln und Impulse zu geben, wie eine alte Ausstellung der IG Metall (Wetzlar)

»Verschleppt, entrechtet, ausgebeutet«
Zwangsarbeit in Wetzlar 1939-1945

neu gestaltet werden könnte. Konkretes Ergebnis war die Gründung einer Arbeitsgruppe, die diese Ideen und Impulse des Workshops nun aufgreifen wird. 

 

Bilder vom Workshop am 12.03.2016 in der Werner-von-Siemens-Schule (Fotos: Stefan Lerach)

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1. Warum der Workshop

Der Verein WETZLAR ERINNERT e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Projekte für eine aktive Erinnerungs- und Gedenkkultur in Wetzlar über die NS-Zeit zu realisieren. Hierzu gehört auch die Aufarbeitung und Veröffentlichung vorhandener Dokumente zum Thema »Zwangsarbeit«.

Ein zentrales Anliegen war bei der Gründung des Vereins, die Ausstellung »Verschleppt, entrechtet, ausgebeutet – Zwangsarbeit in Wetzlar 1939-1945« neu zu gestalten. Eine Projektgruppe (Marianne Peter, Andrea Theiß, Andrea Neischwander, Dr. Bergis Schmidt-Ehry sowie Gerhard Ihle) hatte sich zur Aufgabe gemacht, die alte Ausstellung der IG Metall aufzubereiten, zu modernisieren und zu ergänzen. Eine digitale Sicherung der Texte Daten und Bilder wurde geleistet. Parallel hierzu bemühte sich unser Vereinsvorstand um finanzielle Unterstützung und geeignete Räumlichkeiten.

Ziel dieser Bemühungen war eine neugestaltete Dauerausstellung. Dabei hat allerdings der Vereinsvorstand bisher keine Lösungen finden können, wie die hierzu erforderlichen investiven Mittel und die Gelder für die Unterhaltung des Ausstellungsraums als ein Informations- und Gedenkort in Wetzlar gesichert werden. Der Verein kann dies nicht aus Eigenmitteln leisten.

Ein Lichtblick ist für uns das Interesse von LehrerInnen der Werner-von-Siemens-Schule (gewerbliche Berufliche Schulen in Wetzlar), die Ausstellung im Rahmen eines ganzheitlichen, projektorientierten und fächerübergreifenden Unterrichts neu zu gestalten.

Solange jedoch ungeklärt ist, wo und wie die künftige Ausstellung gezeigt werden kann, ist für unsere Projektgruppe aber auch für die PädagogInnen der Beruflichen Schule der Weg einer möglichen Realisierung eher mit Fragen als mit Antworten gepflastert.

Mit diesem Workshop wollen wir versuchen, den »gordischen Knoten« vielleicht zerschlagen zu können. Mit den Kompetenzen, Erfahrungen und guten Ideen von ExpertInnen zum Thema, MuseumspädagogInnen,StiftungsvertretInnen sowie von PolitikerInnen, SchülerInnen, LehrerInnen, Gewerkschafter-Innen, unseren Vereinsmitgliedern und weiteren interessierten BürgerInnen möchten wir Impulse und Ideen sammeln, um auf dem Weg zur Realisierung einer neuen Ausstellung weiter zu kommen. Der Workshop ist somit ergebnisoffen. Wir freuen uns über die Teilnahme jeder Expertin und jedes Experten bzw. Interessierten.

Mit freundlichen Grüßen

 

Ernst Richter
Vereinsvorsitzender

 
 

3. Programm

Vorgesehenen Ablauf in sieben Schritten:

  1. Ankommen und Begrüßungen
    Ablauf und Vorstellungsrunde
  2. Betrachtung der alten Ausstellung
    Zeit zum Studium der Tafeln und Sammeln von Eindrücken
  3. Impulsreferate von Experten/-innen
    angefragt, werden nach der Anmeldung bekannt gegeben
  4. Arbeit der AG "Ausstellung Zwangsarbeit"
    Präsentation der Aufgaben und Interimsergebnisse
  5. Wie sehen SchülerInnen die Ausstellung
    Präsentation einer Evaluierung und die Fragen von Schüler/-innen, die die Ausstellung sichteten
  6. Ideensammlungen und Ratschläge,
    weitere Schritte, Berücksichtigung der oben gesammelten Eindrücke
  7. Verabredungen
    soweit die Workshopergebnisse das zulassen

Der Workshop wird von Irmtrude Richter und Lisa Herbel gemeinsam moderiert

Getränke und ein Mittagsimbiss werden angeboten

 
 

4. Daten und Fakten zur alten Ausstellung

Zwangsarbeit in Wetzlar
Ende 1944 gab es im Altkreis Wetzlar bei 35 Firmen 55 Lager für mindestens 6.500 »zivile ausländische Arbeitskräfte«. Die meisten von ihnen waren vor allem osteuropäische junge Frauen und Männer, aus den besetzten Ländern zur Zwangsarbeit verschleppt.

26 dieser Lager befanden sich innerhalb des Stadtgebietes von Wetzlar mit 4.750 Menschen aus insgesamt 21 Nationen. Hier nicht mitgezählt sind die Menschen, die u.a. als landwirtschaftliche Arbeitskräfte, in Haushalten, Hotels sowie dem Handwerk arbeiten mussten. Auch nicht die Soldaten in den Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos.

Die Gesamtzahl der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen betrug wegen hoher Fluktuationen und mangelnder Vollständigkeit der vorhandenen Quellen schätzungsweise etwa 20-30 Prozent mehr. D.h. ca. 50 Prozent der Erwerbstätigen und etwa 25 Prozent der Wohnbevölkerung der Stadt Wetzlar waren während des Krieges ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Die vielfältigen Diskriminierungen durch die rassistische, faschistische deutsche Gesellschaft gehörten unübersehbar zum Alltag aller Wetzlarer Bürger/-innen.

Alte Ausstellung der IG Metall Wetzlar
Wie fast überall in Deutschland wurde das massenhafte Unrecht der Zwangsarbeit erst zu Beginn der 1980er Jahre auch in Wetzlar Gegenstand der Geschichtsforschung. Im Auftrag der IG-Metall (Verwaltungsstelle Wetzlar) entstand die Ausstellung durch den Marburger Geschichtswissenschaftler und Gewerkschafter Dr. Witich Roßmann. Die Ausstellung wurde seit ihrer Eröffnung 1986 bis in das Jahr 2001 als Wanderausstellung in vielen Städten und Gemeinden und gewerkschaftlichen Bildungsstätten gezeigt. Sie ist zwischenzeitlich in die Jahre gekommen, enthält aber wichtige und mühsam recherchierte Informationen über den militärisch-industriellen Komplex während der NS-Zeit im allgemeinen und ganz konkret in Wetzlar, die nicht verloren gehen sollten.

Übergabe mit Auftrag:
Die IG Metall (Verwaltungsstelle Mittelhessen) hat unserem Verein die alten Ausstellungstafeln übergeben mit dem Auftrag, dass wir die hierin enthaltenen Erkenntnisse bewahren und in einer neuen, zeitgemäßen Form neu präsentieren.

 
 

5. Historische Bilder zum Thema

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