Ge(h)denken

 
 

Schändung der Gedenkorte vermeiden

KreAKTIV-Aktion Ge(h)-denk-straße und Mahnwache an Stolpersteienen

Wetzlar, den 22. April 2017:
Erneut wollten Nazis an diesem Tag durch die Innen- und Altstadt ziehen. Dies wäre der sechste Aufmarsch seit 2015 im Lahn-Dill-Kreis geworden. Eine Überzahl von Gegendemonstranten haben dies verhindert. Für den Fall, dass die Nazis dennoch marschiert wären, hat eine KreAKTIV Gruppe auf der geplanten Nazi-Route unter anderem eine »Ge(h)-denk-straße« und »Mahnwachen an den verlegten Stolpersteinen« durchgeführt. Nachfolgend Bilder dieses aktiven Gedenkens und ein Bericht von Gerhild Kirschner über ihre Erlebnisse an diesem Tag

 

Bilder von den KreAKTIV-Aktionen am 22. April 2017 in Wetzlar

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1 bis 9 von insgesamt 9

Drei Stunden mit erfreulichen Begegnungen

»Da ich mir keine Demonstrationen in meinem Alter mehr zutraue, hatte ich gebeten, mich bei den Stolpersteinen in der Altstadt einzuteilen, was auch geschah.

Mit einem Kerzenbehälter und einer weißen Rose von der Hospitalkirche stellten wir uns zu zweit in der Lahnstraße beim Stolperstein gegenüber vom Eiscafé ›Rialto‹ auf. Wir hatten noch ein auf DIN A 4 vergrößertes Foto von Klara Schloss mitbekommen, das ich mir umhängte. Unsere Aufgabe war zu verhindern, dass evtl. rechte Demonstranten bei einem Durchbruch in die Altstadt die Stolpersteine schändeten.

Von 15:00 bis ca. 18:00 Uhr standen wir beim Sanitätshaus Gerster und beobachteten den Fußgängerverkehr, manchmal ganze Gruppen von Passanten, dann wieder nur Paare oder Einzelne. Zirka die Hälfte mit sich oder den Schaufenstern beschäftigt, nahmen keine Notiz von der Aktion, dafür die anderen.

Aber es war niemand darunter, der uns unfreundlich anschaute oder abfällige Bemerkungen machte. Im Gegenteil von anteilnehmend »Hoffentlich erkälten sie sich nicht!« bis »Nun fallen mir endlich mal die Stolpersteine auf!« gab es viele positive Kommentare. Mehrere fragten auch, warum wir hier ständen, zu unserer Antwort wurde dann bestätigend bemerkt, dass sie das mutig fänden.

Ein junges Paar kam vorbei und wollte mir einen heißen Kaffee auf dem Rückweg mitbringen, was ich wegen der späten Zeit dankend ablehnte. Drei junge Männer wollten unbedingt die Aktion unterstützen und gaben uns 20,00 Euro für die Aktions-Kasse. Eine Besucherin aus Berlin bat uns fotografieren zu dürfen, weil sie eine solche Wache auch für ihren Stadtteil anregen wolle. Auch japanische und spanische Wetzlar-Besucher ließen sich die Aktion erklären und fanden sie gut.

Nach zwei Stunden kam eine Bedienung aus dem Eiscafé ›Rialto‹ und um mir einen heißen Kakao zu bringen, den ich dann gerne zum Aufwärmen im Cafe trank. Meine positive Sicht auf meine Mitmenschen ist noch mehr gefestigt worden.«

Gerhild Kirschner
(ehemalige Schulleiterin der Grundschule in Braunfels-Bondbaden)