Ge(h)denken

 
 

Holocaustgedenktag 2017 - OB Wagner: »Wir haben Verantwortung für unser Tun und für unser Unterlassen«

Mit eindringlichen Mahnungen an die Verantwortung der Gesellschaft für unsere demokratischen Grundwerte wurde anlässlich des Holocaust-Gedenktages in Wetzlar der Opfer des NS-Staates gedacht.

Wie an vielen Orten in Deutschland stand der Freitagmittag auch in Wetzlar im Zeichen der Erinnerungen an die Millionen von Menschen, die durch die NS-Diktatur ums Leben kamen. Stadtverordnetenvorsteher Udo Volck begrüßte die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter aus Gäste aus Politik, Kirche, Behörden, Gewerkschaft und von Wetzlar Erinnert e.V.

Am 27. Januar 2017 jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 72. Mal. Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) spannte in seiner leidenschaftlichen Rede einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart und verband dies mit einer eindringlichen Mahnung an alle Bürger, für Demokratie und Freiheit einzustehen – in Zeiten, in denen Rechtspopulisten überall an Auftrieb gewinnen.

Der Oberbürgermeister stellte einen Bezug her, der aktueller nicht sein konnte. Er verwies auf die jüngste Rede des thüringischen AfD-Politikers MdL Björn Höcke (vormals Geschichtslehrer in Hessen), der vor seinen Anhängern in Dresden eine »erinnungspolitische Wende um 180 Grad« gefordert und das Holocaust-Mahnmal in Berlin als »Denkmal der Schande« bezeichnet hatte. »Dieser Herr ist kein Einzelfall«, erklärte Wagner und verwies auf die jüngsten Erfahrungen mit der NPD-Stadtverordnetenfraktion in Wetzlar. Als verfassungsfeindlich eingestuft, aber dennoch nicht verboten, sitzen die Vertreter der rechtsextremen Partei weiterhin im Wetzlarer Stadtparlament und im Kreistag.

Gerade heute sei es wichtiger denn je, dass sich jeder Einzelne für die Stärkung der Demokratie einsetze, sagte Wagner. Bezogen auf die Bundestagswahl in diesem Jahr mahnte er: »Der Verzicht auf das Wahlrecht ist verhängnisvoll«, Beispiele dafür seien der Brexit und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. »Keiner soll nachher sagen: Ich habe es nicht gewusst«, und: »Wir haben die Verantwortung für unser Tun und für unser Unterlassen.«

Der Oberbürgermeister hatte eingangs den Wetzlarer Jakob Sauer beispielhaft für alle Menschen aus der Stadt genannt, die durch die Gewaltherrschaft der Nazis ums Leben kamen. Sauer war zu Kriegsende, nur Stunden, bevor die ersten amerikanischen Soldaten nach Wetzlar kamen, auf Befehl des NSDAP-Kreisleiters am Eingang des Friedhofs an der Bergstraße aufgehängt worden. Sauers Vergehen: Er hatte an seinem Haus am Geilberg ein Schild mit der Inschrift »Schütze mein Heim. Wir sind keine Nazi. Wir grüßen die Befreier« befestigt.

»Das Erinnern darf nie aufhören«, mahnte Wagner und erinnerte an den Artikel eins des Grundgesetzes: »Die Würde des Menschen ist unantastbar«. Und dieses Grundrecht sei »kein Exklusivrecht von uns Deutschen«, fügte er hinzu.

Zum Abschluss der Gedenkstunde legten Stadtverordnetenvorsteher Udo Volck und Oberbürgermeister Manfred Wagner am Mahnmal für die Opfer des NS-Staates im Rosengärtchen gemeinsam einen Kranz nieder.

Die Ansprache von OB Manfred Wagner im Wortlaut als PDF Dokument

 
 

Bilder von der Gedenkstunde zum Holocaustgedenktag

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Video-Film von hessencam von der Ansprache zum Holocaustgedenktag am 27.01.2017